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(1) Drombusch ermittelt
Der Tag, an dem die langhaarigen Typen vom Systemhaus den Rechner aufs Revier
brachten, war für Wachtmeister Drombusch ein großer Tag. Um ein Haar hätte er
seinen ersten Fahndungserfolg verbucht.
"Stehen bleiben", rief er. "Füße in den Nacken!"
Letzte Nacht war in der Kleingartenanlage Morgennebel ein Kofferfernseher
entwendet worden. Die Beschreibung passte auf das Teil, das die Kerle bei sich hatten: klein,
flimmeriges Bild und "irgendwie russisch" aussehend.
"Lass mal, Horst", nahm der Revierleiter die Verdächtigen in
Schutz. "Die stellen doch nur unsere neue Computeranlage auf."
Die Zurechtweisung trübte Wachtmeister Drombuschs Stimmung keineswegs. Der Computer. Endlich!
Ab sofort würde die Jagd auf Gurtmuffel, vietnamesische Marlborodealer und weißrussische
Schwarzbrenner viel effektiver werden.
Der neue Computer: Das konnte nur bedeuten, dass nach den Revieren Nord, Süd
und West nun auch Drombuschs Revier, das tief im Osten lag, an das polizeiinterne Rechnernetzwerk
angeschlossen wurde.
"IVO kommt", hatte der Revierleiter seinen Beamten vor einigen Wochen
anvertraut. Drombusch hatte sich sofort zu Wort gemeldet: "Der jugoslawische Automarder?"
Der Wachtmeister erfuhr, dass IVO ein Computerprogramm zur langfristigen Verwaltung von Straftaten
sei. IVO war eine Abkürzung. Sie stand für "integrierte Vorgangsbearbeitung".
Der Chef wusste auch nicht genau, was das war. Aber er hatte gehört, dass man den Rechner morgens
einschalten musste und sich die Verbrecher daraufhin bis 16 Uhr stellen würden. Nebenbei sollte
die integrierte Vorgangsbearbeitung Kaffee aufbrühen und Uniformknöpfe annähen.
"Nicht schlecht", hatte Drombusch gemeint. "Wenn sie die Rechner
bis Weihnachten liefern, können wir uns Stollen aus dem Internet runterladen." Jetzt war
der Computer da, aber der Dienst wurde komplizierter.
Gleich am ersten Tag, als Drombusch Kaffee ansetzen wollte, stach eine Flamme aus dem
Rechnergehäuse. Bis 16 Uhr war weder der Mann vom Kundendienst, geschweige denn ein Verbrecher
aufs Revier gekommen. Nur Drombuschs Anlageberater hatte sich gemeldet, aber den wollte der Wachtmeister
nicht festnehmen. Jedenfalls noch nicht.
Als einen Monat später die Langeweile nicht mehr auszuhalten war, erteilte der Chef die
Dienstanweisung 1/2002: Ab sofort mussten die Beamten mit dem Computer arbeiten. Das war mühselig.
Der Hersteller hatte das Programm mit einer Reihe von Beispielformularen geliefert. Die
sollten in den Dienststellen mit Daten vervollständigt werden. Weil das den Polizisten niemand so
direkt gesagt hatte, fahndeten die Männer vom Revier Tief-Ost in den folgenden Wochen verschärft
nach dem Ehepaar Max und Elvira Mustermann. Ohne durchgreifenden Erfolg. Auch der Vorwurf, den man den
Delinquenten machte, war letztlich nicht haltbar: Musterfrauenhandel.
Dann kam der Tag, an dem der 21-jährige, übereifrige Polizeianwärter Kowalke den
dorfbekannten Kaffeekassenknacker Schlieder dem Revier zuführte. Schlieder hatte einen russischen
Kofferfernseher unterm Arm. Drombusch warf Schlieder raus. Kowalke wurde zurechtgestutzt:
"Noch so ein Scheißteil brauchen wir hier nicht!", knurrte der Wachtmeister.
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