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(2) Der Mann im Raster
Im Polizeirevier Tief-Ost herrschte Aufregung. Wachtmeister
Drombusch hatte einen Kollegen angegriffen! Das Opfer war POM Schröder,
der Revier-Oldie. Polizeiobermeister Schröder hatte nur noch ein
knappes Jahr bis zur Pensionierung. Normalerweise wurde er von allen in
Ruhe gelassen.
Die Sache war eine Woche nach Lieferung der Webcams für das neue
Computersystem passiert. Die Kameras waren so aufgestellt, dass sich die
Polizisten an ihren Schreibtischen zuwinken konnten. Sie mussten nun auch
nicht mehr so weit laufen, um einen Kollegen ein Beweisstück oder ein
Tatortfoto aus dem Etablissement Rote Lotuslampe zu zeigen.
Die Webcams waren praktisch, aber eigentlich waren die
Beamten nicht reif für die neue Technik. Ihr Rechnernetzwerk hatte
noch Macken. Als das Bild auf Drombuschs Monitor in lauter kleine
Würfel zerfiel, hatte der Wachtmeister noch gute Laune verbreitet:
"Toll, das Ding kann sogar Rasterfahndung." Allerdings war nur
die Grafikkarte abgestürzt.
Drombusch lag jedoch nicht falsch. Die Computer konnten tatsächlich
zur Durchführung von Fahndungsmaßnahmen nach dem Abgleichprinzip
herangezogen werden. Das wurde nötig, als Polizeianwärter Kowalke
mittags ins Revier stolperte. Auf seiner Uniformbrust klebte Dönersoße.
Wie sich herausstellte, hatte Kowalke eine so genannte verdreckte
Ermittlung vorgenommen.
Der Polizeianwärter hatte so getan, als wolle er gar nicht ermitteln,
sondern Döner essen. Dabei fand er heraus, dass der Besitzer der
Dönerbude jeden Morgen eine Lieferung von zehn Fladenbroten erhielt.
Abends hatte er davon nur fünf verkauft. Der Mann hieß Ali Musterfa.
Das war verdächtig, denn der Name ähnelte denen aus der Musterdatenbank
des Polizeicomputers.
"Wahrscheinlich ist der Kerl für die
verpflegungsmäßige Sicherstellung dieser Qaida-Typen zuständig",
mutmaßte Kowalke.
Drombusch fuhr dazwischen: "Du meinst das Opern-Ensemble aus
der Bezirkshauptstadt?"
Der Revierleiter ordnete eine Rasterfahndung an, um Terroristen im Bereich des
Reviers Tief-Ost ausfindig zu machen. Dabei sollte der Computer auflisten, wer
seine Gasrechnung pünktlich bezahlt hatte.
"Blödsinn", knurrte Drombusch, "wieso sollten
Terroristen ihre Gasrechnung bezahlen?"
Der Chef zuckte mit den Schultern: "Keine Ahnung. Das
Präsidium sagt, die wollen jederzeit Gas zur Verfügung haben, um sich
der Verantwortung zu entziehen, wenn wir ihre Türen eintreten."
Das leuchtete ein, und der Computer wurde gefüttert: Wer hatte
seine Mülltonne am Abholtag pünktlich herausgestellt, vor Weihnachten
die Gardinen gewaschen und pyrotechnische Erzeugnisse zu Silvester erst nach 18 Uhr
abgebrannt? Das Ergebnis ließ die Beamten erbleichen: "Mein Gott",
stammelte der Chef. "Das ganze Dorf ist in Feindeshand!"
Die Fahndung wurde aus Sicherheitsgründen sofort abgebrochen. Selbst der
übereifrige Kowalke fügte sich. Nur Drombusch war frustriert. Er wollte
sich nicht geschlagen geben. Und dann fiel sein Blick auf seinen Monitor. Die Webcam
zeigte ein Bild vom Schreibtisch des Pensionsanwärters POM Schröder, der
seit Stunden kein Wort gesagt hatte. Die Kollegen hörten dumpfe Schläge
und Drombuschs Geschrei: "Da ist noch so ein verdammter Schläfer!"
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