REVIER TIEF-OST

(3) Soko Schwarzbrand

Es war einer dieser Tage, an denen im Polizeirevier Tief-Ost alles schief ging. Beim Kaffee ansetzen hatte Wachtmeister Drombusch feststellen müssen, dass die Filtertüten alle waren. POM Schröder, der diese Woche mit Formularausfülldienst dran war, hatte angerufen, dass er wegen seines Rückens zum Arzt fahren wolle. Und dann bot der frisch inhaftierte Kaffeekassenknacker Schlieder an, Filtertüten zu holen. Er war natürlich nicht wiedergekommen.
 
Tags zuvor hatten die Jungs vom Systemhaus die Computeranlage des Reviers mit einem Brenner aufgerüstet.

"Das ist dieselbe Technik, die von Schwarzbrennern eingesetzt wird", erläuterte Polizeianwärter Detlef Kowalke den älteren Beamten.

Drombusch war erfreut. "Fein, dann können wir jetzt unseren eigenen Schnaps herstellen."

Kowalkes Antwort fiel ernüchternd aus: "Der Brenner ist nur für CDs zuständig." Drombusch nickte. Das Konzept der nicht vorhandenen Zuständigkeit war ihm vertraut.
 
Heute hatte der Wachtmeister eine CD mit Liedern des beliebten Volksbarden Herbert Roth mitgebracht. Die CD gehörte seinem Schwager, und Drombusch wollte sich die Scheibe mit Kowalkes Hilfe brennen. Leider stellte sich heraus, dass auch der Polizeianwärter nicht genau wusste, wie man die Brenner-Lade öffnete.
 
In diesem Augenblick erschien Kriminalmeisterin Margitta Mehlhorn in der Dienststelle. Sie war aus der Polizeidirektion angereist, um für einen Einsatz Kräfte aus dem Revier beizuziehen. Die Kripo jagte eine Bande von Raubkopierern, die auf Schulhöfen Computerspiele, DVDs und Rapmusik verhökerte. Es bestand sogar der Verdacht, dass die Täter planten, im Kreis-Seniorenstift Vertriebsstrukturen für unerlaubt vervielfältigtes Volksliedgut aufzubauen.
 
KM Mehlhorn führte ihre Soko zum ehemaligen Arbeiterwohnheim. Obwohl es im Ort seit der Wende keine Arbeiter mehr gab, lag der Kripo die Wahrnehmung eines Sachbearbeiters aus dem Ordnungsamt vor, der gesehen hatte, dass einige Fenster im Haus gekippt waren. KM Mehlhorn vermutete hier den Schlupfwinkel der Schwarzbrenner.
 
Hinter einer Tür im fünften Stock hörten die Beamten Kichern. Auf Margitta Mehlhorns Stirn schwoll eine Ader. "Zugriff", quiekte sie.

Kowalke klingelte. Nichts.

"An manchen Türen muss man zweimal läuten", sagte der Revierleiter.

Seine 35-jährige Diensterfahrung zahlte sich aus. Eine Rentnerin öffnete. Im Hintergrund spielten Enkelkinder. KM Mehlhorn befahl: "Alles sicherstellen, was gebrannt ist!"

Die Beamten schwärmten aus. Drombusch fand eine Tüte glasierte Mandeln. Kowalke brachte eine stechend riechende Pute bei. "Die war im Ofen versteckt", frohlockte er.
 
KM Mehlhorn nickte. Besser als nichts. Drombusch wurde geschickt, um die Kamera zur fototechnischen Erfassung des Beweismaterials zu holen. Als er keuchend die Treppen hochstieg, zögerte er. In welcher Etage befand sich der Tatort?

Im vierten Stock stand eine Tür einen Spalt breit offen. Drombusch trat ein und stutzte. Er sah zehn Computer und zwei Jugendliche, die CDs in einen Karton schlichteten. Aber wo war die Tatverdächtige geblieben?

Dann meldete sich Drombuschs Instinkt: "Sagt mal Leute, könnt ihr hier auch Herbert-Roth-CDs brennen?"