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(7) Krampfsportschule
Drombusch hatte den Eintrag im Dienstplan als erster entdeckt. "WinSchu" stand da zu lesen. "Das ist ein Kampfsport-Lehrgang", erklärte der junge, übereifrige Polizeianwärter Kowalke und führte augenblicklich ein paar Karatetricks vor.
Die Jungs vom Systemhaus hielten Kowalke für einen brauchbaren Karatekämpfer. Jedes Mal, wenn er trainierte, gingen hinterher etliche Bestellungen über neue Computermöbel ein.
"Ich muss da eigentlich gar nicht hin", verkündete Kowalke jetzt. "Ich habe die Tritte ja schon alle drauf."
Aber der Revierleiter ließ keine Luft ran: "Das ist eine Windows-Schulung. Die hat das Präsidium angeordnet." Kowalke wagte keine Widerrede. Drombusch wurde vom Chef motiviert: "Zeig' denen, wozu wir imstande sind, Horst!" Auch für POM Schröder, den Revier-Oldie, fand der Kommandeur motivierende Worte: "Hau rein, Dieter; Kaffee und Bockwurst werden zur Verfügung gestellt."
Als die Beamten vom Revier Tief-Ost im Schulungszentrum ankamen, stand dort eine Traube Uniformierter um eine junge, dynamische Frau im Anzug herum, die sichtlich nervös wirkte. Das lag wohl an den Blicken der Männer. Die eine Hälfte starrte der Frau auf den Busen, die andere sah grinsend auf ihre Finger. Diese Finger stocherten mit einem Schlüssel im Schloss herum. Die Tür ließ sich nicht aufsperren; die Schulung stand auf Messers Schneide.
"Aus dem Weg, meine Dame", sagte der Revierleiter. "Wir sind dafür ausgebildet." Er gab Drombusch einen Wink. Dann splitterte Holz und die Schulung war gerettet.
"Als erstes müssen Sie sich dem System gegenüber identifizieren", begann die Lehrerin. Drombusch zückte den Dienstausweis und hielt ihn vor den Monitor. "WM Drombusch! Dies ist eine allgemeine Schulungsmaßnahme!"
Für Unmut sorgte danach die Ankündigung, dass jeder Beamte ein eigenes Profil bekommen würde. Die Polizisten waren sich darüber einig, dass nur für Straftäter Profile angelegt werden sollten.
Die Dozentin probierte einen anderen Einstieg in die Windows- Thematik. Sie wollte wissen, ob die Beamten überhaupt schon einmal mit Fenstern gearbeitet haben.
"Nein", knurrte Drombusch, "dafür ist meine Frau zuständig."
Die Lehrerin war zäh und brachte den Männern doch noch das eine oder andere bei. Später rief sie einen Beamten an die Tafel. Er stand auf und schlug mit lautem Gepolter der Länge nach in den Gang: Sein Fußknöchel war mit einer Handschelle an die Schulbank gefesselt worden.
"Wer war das?" rief die Frau.
Polizeianwärter Kowalke meldete sich mit hochrotem Kopf. "Aber es wurde uns doch befohlen, eine Verknüpfung zu erstellen."
Den Rest des Tages bekamen die Polizisten gezeigt, wie man Dateien kopiert, Ordner erzeugt und Pornobilder vor dem Chef verbirgt. Zuguterletzt lernten sie, wie man Objekte in den Papierkorb verschiebt. "Bitte vergessen sie nicht, den Papierkorb nach Dienstschluss zu leeren", schloss die Dozentin.
Nun war die Schulung zu Ende. Alle waren erleichtert. Nur POM Schröder zog ein mürrisches Gesicht. Der Revierleiter wollte wissen, wo ihn der Stiefel drückt.
Der Oldie räusperte sich. "Es geht um diesen Papierkorb. Warum kann den eigentlich nicht die Reinemachfrau leer machen?"
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