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(8) Jagd auf Dolonski
Seitdem der Dönermann das Dorf
verlassen hatte, war das Leben im Polizeirevier Tief-Ost ein
anderes. Die Pausenversorgung der Beamten war
vorübergehend zusammengebrochen. Nun kam Wachtmeister
Drombuschs Tochter Bärbel jeden Mittag ins Objekt, machte
Wiener warm und setzte Kartoffelbrei an.
Zuerst
weigerte sich Bärbel, zu kochen, doch Papas Kollegen schoben ihr
eine Schachtel Marlboro ohne Steuerbanderole unter. Da hatte sie
keine Wahl mehr gehabt.
Heute Mittag hatte Bärbel die
Wiener aufplatzen lassen. Aber die Beamten fanden keine Zeit, sich
zu beschweren, weil der Revierleiter Alarm auslöste. Wjatscheslaw
Dolonski, der Brieftaschenschlitzer, war im Ort gesehen worden!
Und das zwei Tage vor der Bürgermeisterwahl, wo die Beamten bereits alle
Hände voll zu tun hatten, um den Transport der Wahlurne zum
Schützenhaus abzusichern.
Heute war die personelle Situation zusätzlich angespannt, weil der
junge, eifrige Polizeianwärter Kowalke für das Casting
von Deutschland sucht den Superbullen trainierte. Die Jury
hatte den Bewerber zwar darauf hingewiesen, dass es sich um einen
Agrar-Wettbewerb handele, aber Detlef Kowalke wollte trotzdem
alles versuchen.
"Da bleibt uns nur eines", sagte
der Revierleiter. "Wir müssen die Bevölkerung um
Mithilfe bitten."
Wachtmeister Drombusch fuhr den Dienst-PC hoch und startete das Programm
Fahndungsphotoshop. Die Jungs vom Systemhaus hatten es für
den innerdienstlichen Gebrauch entwickelt. "Diese Software",
hatten sie erklärt, "ist in der Lage, den Bundeskanzler wie
einen Gauner aussehen zu lassen." Drombusch hatte die Schultern
gehoben. "Na gut, aber was kann das Programm?"
Jetzt entwarf Drombusch einen Steckbrief. Er wählte die Stilvorlage
mit dem Rahmen aus aneinander geketteten Handschellen.
"Wie schreibt man Wjatscheslaw?" wollte der Wachtmeister wissen.
"W.", sagte der Revierleiter.
Dann verlangte Drombusch ein Foto des Verdächtigen. Das war ein
Problem, denn im Computer war keins gespeichert. Wäre das
Revier personell besser besetzt gewesen, hätte man
Polizeianwärter Kowalke losgeschickt, um bei Dolonski ein
Passbild abzufordern.
Aber Kowalke war zum Training, und die
Beamten mussten improvisieren. Drombusch deutete auf POM Schröder.
Der Revier-Oldie schnarchte leise. Er war über dem Scanner
zusammengesackt, was jetzt eine große Hilfe war. Ein
paar Korrekturen konnte man später mit den Filtern machen,
die in die Software eingebaut waren. Da gab es den Weichzeichner,
den Scharfzeichner und den Augenklappenzeichner. Man konnte
Kontraste, Farben und Bartstoppeln erzeugen. Fahndungsphotoshop
war wirklich ein gutes Programm.
Unter das Bild schrieb Drombusch: W. Dolonski.
"Wir brauchen noch eine Überschrift",
schlug der Revierleiter vor.
Drombusch tippte: "Das ist unser Mann!"
"Genau", meinte der Chef. "Wenn Kowalke kommt, soll er die
Steckbriefe verteilen." Dann erinnerte er noch einmal an den
Transport der Wahlurne und verschwand ins Wochenende.
Am Montag kam ein Anruf aus dem Rathaus. "Der Bürgermeister will Sie
sprechen", sagte die Sekretärin und verband.
Der Revierleiter vernahm eine Stimme, die nicht gut Deutsch sprach:
"Viele Danke, Kollege!"
In dieser Geschichte gab es ursprünglich einen Absatz, in dem die
Beamten Ali Musterfa schikanieren. Aus Platzgründen musste diese
Passage gestrichen werden. Deshalb erfährt man jetzt nur noch,
dass der Dönermann das Dorf verlassen hat. Wie es dazu kam,
erzählt eine ausführliche Szene im Roman.
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