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(9) Der elektronische Stuhl
Der Chef kam pünktlich zum zweiten Frühstück ins Revier Tief-Ost. Aber die Kaffeekanne war leer. Wachtmeister Drombusch machte ein ernstes Gesicht. "POM Schröder hat Ansetzdienst. Wie es scheint, fällt der Kollege heute jedoch aus. Auf die Schnelle konnte ich keinen Ersatz finden."
Der Revierleiter sah so lange betrübt drein, bis der eifrige Polizeianwärter Kowalke aufsprang und in die Küche eilte. Dort machte er zwei Feststellungen. Erstens: Das Kaffeepulver war alle. Zweitens: Die Kaffeekasse war aufgebrochen worden!
Es handelte sich um eine Schmuckdose, die mit einem Einweggummi zusammengehalten wurde. Der Gummi war durchtrennt worden. Drombusch und der Revierleiter riefen wie aus einem Munde: "Schlieder!"
Die Beamten überraschten den dorfbekannten Kaffeekassenknacker in seiner Laube. Als Kowalke vorne den Tast von der Fensterscheibe kratzte, floh der Tatverdächtige hinten durchs Klofenster. Dort lauerte Drombusch mit einem Müllsack.
Im Revier machten die Ermittler Schlieder seine verzweifelte Lage klar: Er sollte das Geld zurückgeben und ein Päckchen Krönung dazulegen. Anderenfalls würden sie ihn an einen Lügendetektor anschließen.
Schlieder stellte sich stur: "Ihr habt ja gar keinen Detektor. Die Dinger sind illegal."
Der Kaffeekassenknacker war gut informiert. Zwar hatte das Fraunhofer Institut für mikroelektronische Spielereien ein leistungsfähiges Gerät entwickelt; bei der Testvorführung im Bundeskanzleramt hatte sich jedoch die Anzeigenadel aus ihrer Halterung gerissen. Um ein Haar wäre der Finanzminister aufgespießt worden. Nur der Aktenordner mit den neuen Steuererhöhungsvorschlägen, den er reaktionsschnell vor die Brust riss, rettete dem Minister das Leben. Nach diesem Vorfall waren Lügendetektoren von der Regierung als riskant eingestuft worden.
"Mag sein", sagte der Revierleiter. "Aber wir haben das hier."
Drombusch rollte den elektronischen Stuhl in den Raum.
Die Jungs vom Systemhaus hatten das Gerät für Computerspieler gebaut. Es vermittelte extrem intensive Spielerlebnisse. Bei Rennspielen etwa legte sich der Stuhl mit in die Kurve. Allerdings hatte die Maschine kein TÜV-Siegel erhalten: Vor Massenkarambolagen sprang nämlich die Notabschaltung nur selten an. Das Systemhaus konnte die Insolvenz nur vermeiden, weil der Spielsessel als Verhörstuhl an die Polizei verkauft wurde.
Drombusch schnallte den Kaffeekassenknacker fest und startete das Spiel Rollercoaster Tycoon.
Die Wirkung war dramatisch.
Schlieder erbrach sein Abendbrot und einige Worte, die von der Geldkassette eines Parkscheinautomaten handelten. Es folgten ein Frühstück und ein Geständnis: Der Verdächtige plante einen Einbruch in die Schmuckschatulle seiner Stieftochter.
Dann kam nichts mehr nach.
Drombusch wollte die Simulation Walzerbahn xtreme einlegen, doch der Revierleiter hielt ihn zurück: "Warte, Horst. Mittagessen hatte er noch keins."
Da erklang eine Stimme: "Mittag? Was gibt es denn?"
In der Tür stand POM Schröder. In der rechten Hand hielt er ein Päckchen Kaffee, in der linken einen Ersatzgummi.
Drombusch schaltete rasch: "Setz' Kaffee an; während Du weg warst, haben wir den Parkautomaten-Fall gelöst."
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