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(10) Silver Surfer
Kurz vor Dienstschluss polterte ein Stein durch das Fenster ins Revier
Tief-Ost.
Es klang blechern.
Sieht aus wie eine Tränengasgranate, bei der jemand vergessen hat, den
Splint zu ziehen, wunderte sich Drombusch.
Aber heute war sowieso ein komischer Tag. Vor einer Stunde hatte POM
Schröder bekannt gegeben, dass er einen Neger abseilen wollte,
und nun schien genau dieser Albtraum wahr zu werden: Von der Decke
fielen Stricke, an denen schwarze Männer in die Amtsstube
rutschten.
Reflexartig spülte der Wachtmeister den ersten mit dem Kaffeerest von der
Wärmeplatte fort. Der zweite fing sich eine Neige Pilsner vom
Männertag ein. Dem dritten spritzte Drombusch den Inhalt der
Nachfüllpatrone des reviereigenen Tintenstrahldruckers ins
Gesicht. Aber dann gingen ihm die Optionen aus.
Ein Angreifer starrte Polizeianwärter Detlef Kowalke durch sein
Nachtsichtgerät an. "Coole Brille", grinste der
eifrige Kowalke.
Da erklang ein Befehl: "Zugriff einstellen!"
Am Fenster erschien das Gesicht von Kriminalmeisterin Margitta Mehlhorn.
Sie wirkte verlegen. "Oh, ihr seid das. Tut mir Leid, aber das
Signal war eindeutig ..."
Drombusch schwoll eine Hämorrhoide. "Welches Signal?"
Die Beamten erfuhren, dass die Eliteeinheit angerückt war, um den
Silver Surfer auszuheben. Das war ein Hacker, der den Behörden
seit Wochen zusetzte. Im Rechner des Kreisverkehrsamtes hatte er in
alle Blitzfotos das Konterfei des Landrates montiert. Auf den
Monitoren hinterließ der Hacker stets sein Zeichen: Ein
silbergraues Surfbrett mit einem DSL-Stecker an der Spitze.
Heute war das Logo im Polizeipräsidium aufgeploppt.
"Der Silver Surfer wollte die taktisch-technischen Daten unseres letzten
Einsatzfahrzeuges vom Typ Barkas herunterladen", erklärte
KM Mehlhorn. "Aber unsere Spezialisten konnten seine Spur
zurückverfolgen. Das sind echte Experten."
"Ja, scheint so", knurrte Drombusch.
Ihn ärgerte die Störung. Gerade hatte er auf seinem Dienst-PC
das Bußgeldverfahren gegen Rudi, den Rollstuhlfahrer,
bearbeitet. Der alte Knacker blockierte jeden Tag die Halfpipe auf
der Skaterbahn, und der Wachtmeister musste sich nun mit den Eingaben
des Jugendsozialarbeiters Sérge herumärgern. Er horchte
auf, als die Kriminalistin erklärte: "Weit können die
Experten aber nicht daneben liegen. Die Quelle der Signale muss sich
irgendwo in der Nachbarschaft befinden. Wo stehen hier Computer?"
Dem eifrigen Kowalke fiel ein: "Sérge hat ein Internetcafé
aufgemacht!"
Drombusch nickte. "Eine verdächtige Einrichtung. Die schenken dort
nämlich gar keinen Kaffee aus."
KM Mehlhorn riss ihre Trillerpfeife an die Lippen. Der Wachtmeister
setzte sich an die Spitze der polizeilichen Elite; PA Kowalke bildete
den Schluss. "Kann ich auch so eine Brille haben?" rief er,
während der Sturmtrupp auf den Jugendklub zuwalzte.
Kurz darauf trat POM Schröder aus dem Klo. Er sah, dass auf
Drombuschs Monitor der Bußgeldbescheid gegen Rudi, den
Rollstuhlfahrer, soeben in eine Einrollgenehmigung für den
Revier-Hof umgeschrieben wurde. Der Cursor huschte wie von
Geisterhand bewegt über den Bildschirm. Heute war echt ein
komischer Tag.
Ein älterer Herr im benachbarten Seniorenheim fand den Tag ebenfalls
lustig. Er fuhr Rollstuhl, hatte silbergraues Haar und einen Laptop
im Schoss.
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