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(11) Krisenmanagement
Montagmittag herrschte im Polizeirevier Tief-Ost wie immer Katastrophenzustand.
Der Chef war noch nicht da, POM Schröder schon wieder fort, und
Wachtmeister Drombusch saß allein mit Polizeianwärter
Kowalke in der Dienststelle. Verschärft wurde ihre Lage, weil
der berüchtigte Hacker Silver Surfer die Anrufe für das
Kummertelefon der Stadtmission ins Revier umgeleitet hatte. Nun waren
ständig gemobbte Putzfrauen am Apparat oder Kinder, denen
aufgrund der drohenden Rezession das Taschengeld gekürzt worden
war.
In dieser angespannten Situation erschien auch noch Hans Rucks auf dem
Revier. Hans war der Dorfplauderer. Er hörte alles, sah alles
und konnte nichts für sich behalten.
"Auf der Bundesstraße liegt ein Ast", sagte Rucks. "Da
kann man sich sein Auto total zerrammeln."
Drombusch schickte Kowalke los, um den Gefährdungsgrad zu ermitteln.
"Ach ja", meinte Hans Rucks im Gehen, "und auf dem Balkon von
Martha Stühmer liegt eine Ringelnatter."
Es sollte noch schlimmer kommen. Das Telefon klingelte. Es war einer der
umgeleiteten Kummer-Anrufe: "Meine Frau lässt mich nicht
mehr ins Bett. Sie baut jetzt Gurken an. Ich habe vor, mir mit einer
Gewächshausscherbe die Pulsadern freizulegen."
"Du musst sie schon richtig aufschneiden, du Weichei", knurrte
Drombusch und legte auf. Kurz darauf erstattete Kowalke über
Funk Bericht: Bei dem Ast auf der Bundesstraße handelte es sich
um eine ganze Astgabel.
Der Wachtmeister schickte den Jungpolizisten weiter zu dem von der
Ringelnatter befallenen Balkon und dachte nach. Eine Astgabel auf der
Bundesstraße; das klang wirklich übel.
Früher hätte er ein Formular in die Maschine gespannt und einen Auftrag
für den Bauhof getippt. Heute aber lief alles übers
Internet. Der Wachtmeister surfte zur Website des Bauhofes. Das
Formular für Astbeseitigungen war noch nicht online. Was nun?
Drombusch wählte die Eingabemaske für abgefallene Radkappen und
schrieb in das Feld für "sonstige Bemerkungen", dass
es sich eigentlich um eine Astgabel handelte. Er hoffte, dass der für
Radkappen zuständige Sachbearbeiter den Auftrag an seinen
Kollegen von der Baumabteilung weiterleitete.
Das Funkgerät knisterte. Kowalke meldete sich vom Balkon der
Rentnerin. Die Männer vom Bauhof waren auch dort. "Ich habe
die Jungs unterwegs dienstverpflichtet", erklärte der
Anwärter eifrig. "Ich dachte, sie können vielleicht
eine Schlangenfalle bauen."
Es hatte sich aber herausgestellt, dass das nicht machbar war.
"Frag' sie, ob sie schon ins Internet geguckt haben", sagte Drombusch.
Die Antwort fiel desillusionierend aus: Der Computer des Bauhofes war
seit einem Jahr kaputt. Das erklärte den Zustand der kommunalen
Infrastruktur, half aber nicht weiter.
In diesem Augenblick klingelte erneut das Telefon. "Jetzt habe ich
mich am Gewächshaus geschnitten", sagte eine weinerliche
Stimme. "Außerdem hat meine Frau Zucchinis da drin."
Drombusch legte Samt auf seine Zunge. "Pass auf, mein Junge, du musst ihr
zeigen, dass es schlimmere Dinge im Bett gibt als dich."
Der Anrufer schöpfte Hoffnung. "Wie denn?"
Drombusch sprach behutsam: "Du fährst raus zur Bundesstraße,
schnappst Dir die Astgabel, die dort liegt, und machst folgendes ..."
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