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(14) Outlook Exzess
Die Männer vom Revier Tief-Ost sahen
ungesund aus. Ihre Gesichter waren bleich, ihre Augen tränten.
Seitdem in der Dienststelle die elektronische Terminverwaltung
eingeführt worden war, kamen die Beamten überhaupt nicht
mehr vom Monitor weg, denn die Pflege und Bedienung des wegweisenden
Programms Microsoft Outlook erforderte die gesamte Zeit ganzer
Männer.
Die Polizisten mussten Kalender anlegen, sich Termine ausdenken,
Hintergrundfarben auswählen und mittels ausgeklügelter
Suchroutinen langwierig nach ihren kurz zuvor eingetippten Daten
scannen. POM Schröder, dessen Konstitution nicht die beste war,
hatte von der vielen Strahlung Nasenbluten bekommen.
"Mit dieser Software", behaupteten die Jungs vom Systemhaus, "muss
der Revierleiter nicht mehr jeden einzelnen Beamten durchs Haus
hinterherlaufen, wenn er eine Dienstbesprechung anberaumen will. Er
kann den Termin einfach über Outlook weitergeben."
Das stimmte. Jetzt rannte der Chef seinen Männern nur noch
hinterher, um zu fragen, ob sie ihren elektronischen Terminkalender
schon gelesen hatten.
Drombusch war fasziniert von der Software. "Können wir damit auch den
Kaffeekassenknacker Schlieder ins Revier bestellen?" wollte er
wissen.
Schlieder war in den Dritte-Welt-Laden eingebrochen und hatte die dort
gebildeten Rücklagen für die Menschen in Eduscho-Guinea
gestohlen. Die Strafanzeige stand seit Tagen auf einem gelben Zettel,
der auf Drombuschs Schreibtisch klebte.
"Wenn Schlieder Outlook hat, müsste es klappen", erklärten
die Jungs vom Systemhaus.
"Das ist gut", freute sich der Wachtmeister. "Dann
solltet ihr nachher gleich noch auf dem Klo Outlook
installieren, damit wir Polizeianwärter Kowalke erreichen
können." Kowalke litt wegen der Monitorstrahlung unter
explosionsartigen Durchfällen.
In Phase Zwei der Outlook-Einführung sollten die Beamten ihre
Zettelwirtschaft im Rechner erfassen. Drombusch beispielsweise hatte
seinen Schreibtisch mit Klebenotizen zugepappt. Manchmal fiel ein
Zettel ab, was die Ermittlungen verkomplizierte. POM Schröder
spießte ungelöste Fälle auf ein Nagelbrett. Das
System war kürzlich an seine Grenzen gestoßen, weil es im
Baumarkt keine Nägel gab, die länger als 40 Zoll waren. Es
musste sich also dringend etwas ändern.
"Jetzt werdet ihr eure Zettel in den Computer übertragen", sagten
die Systemleute.
Die Beamten waren im Handumdrehen fertig.
Die Techniker schöpften erst Verdacht, als die Computer zu rauchen
begannen. Das viele Papier hatte die Luftzirkulation im Gehäuse
zum Erliegen gebracht. Nun roch es im Objekt wie bei der
Herbstlaubverbrennung in der Gartenanlage Morgennebel.
In diesem Augenblick wurde der Kaffeekassenknacker Schlieder im Revier
vorstellig: "Mein Outlook sagt, ich soll mich hier melden."
Drombusch blickte gereizt auf. Er schaute auf dem Schreibtisch nach, was gegen
Schlieder vorlag. Aber da war nichts. Dann fiel sein Blick auf den
Outlook-Kalender. Er zeigte den 1. April.
"Guter Versuch, Schlieder", grollte der Wachtmeister. "Hau bloß
ab."
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