REVIER TIEF-OST

(15) Blitzkrieg II

Wachtmeister Drombusch war frustriert. Gerade war die neueste Statistik hereingekommen. Sie besagte, dass vor Gericht immer mehr Verkehrssünder freigesprochen wurden, weil sie glaubhaft machen konnten, dass sie während der Fahrt Stimmen hörten. Richter hatten Verständnis für Schizophrene. "Vor der Erfindung der Freisprecheinrichtung war die Welt besser gewesen", knurrte Drombusch.

Der Revierleiter wusste, wie er die Laune seines Wachtmeisters verbessern konnte. Er betraute ihn mit dem Praxistest der FOBS.

Die FOBS war eine finanzoptimierte Blitzstation, ein Pilotprojekt, mit dessen Durchführung das Revier Tief-Ost betraut worden war. Kein Autofahrer war darauf gefasst, so tief im Osten auf moderne Technik zu treffen. Dadurch potenzierte sich das Überraschungsmoment.

Drombusch grinste gemein, als er salutierte.

Der Revierleiter sagte: "Nimm noch einen Mann mit, Horst."


POM Schröder war nicht abkömmlich; er bemühte sich schon den ganzen Vormittag lang, ein Rubbellos freizulegen. Also gab Drombusch Polizeianwärter Kowalke einen Wink.

"Zeit, in den Krieg zu ziehen, Junge." Kowalke sprang auf. Krieg?

"Blitzen ist Krieg", knurrte der Wachtmeister. "Das habe ich dir doch schon mal gesagt."


Die Beamten bauten die FOBS an der Landstraße auf. Die finanzoptimierte Blitzstation schoss nicht einfach nur Fotos von Rasern. Die Aufnahmen ließen sich neuerdings auch als Pass- oder Freundschaftsbilder ausdrucken. Eine raffinierte Software ermöglichte es sogar, die Fotos zu vergrößern und zu Postern zusammenzusetzen. Der Verkauf solcher Souvenirs sollte die Einnahmen erheblich potenzieren.

Die FOBS war vom örtlichen Systemhaus entwickelt worden. Vom Blitzgerät aus wurden die Fotos mittels Bluetooth an einen Drucker übermittelt. Die Techniker hatten Mühe gehabt, den Revierleiter von der drahtlosen Datenfernübertragung zu überzeugen. Der Chef hegte nämlich Bedenken gegen Bluetooth; er wollte nicht, dass polizeiliche Beweismittel über einen Pornokanal liefen.

Als die FOBS stand, kritzelte Kowalke sein Zeichen aufs Gehäuse. Das hatte er in einem Film über Jagdflieger gesehen. Diese Jungs malten Haifische an ihre Cockpits. Kowalkes Zeichen war ein Hamster mit vollen Backentaschen. "Krieg", bekräftigte er.

"Sehr schön", erwiderte Drombusch und ging austreten.

Als er aus dem Gebüsch zurückkam, war Kowalke verschwunden. Der Polizeianwärter tauchte den ganzen Nachmittag nicht wieder auf. Zwei Dutzend Raser preschten vorüber, aber die Radarfalle löste kein einziges Mal aus.

Gegen Abend kam der Revierleiter mit dem Polizeipräsidenten vorbei, um die FOBS zu besichtigen. "Wo ist eigentlich euer junger Kollege?" fragte der Präsident.

"Hier!" tönte es hohl aus der riesigen Radarfalle. Dann öffnete sich der Deckel und Kowalke entstieg dem Gehäuse. Die Fotoeinheit lag hinter ihm im Straßengraben.

"Blitzen ist Krieg", erläuterte der Anwärter seinen verdutzten Vorgesetzten. "Das ist wie bei Rambo: Wer gewinnen will, muss selbst zum Krieg werden."