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(16) Virus-Invasion
Polizeianwärter Detlef Kowalke war schlecht drauf.
Seine Nase lief, er litt an Durchfall und fühlte sich schlapp. Der Polizeiarzt
hatte gesagt, dass sich Kowalke einen Virus eingefangen habe.
Eigentlich war der Jungpolizist krank geschrieben, aber sein Diensteifer war so
stark ausgeprägt, dass er sich zu Mittag ins Revier schleppte.
Dort war er der Erste.
Drombusch traf am Nachmittag ein. Er kam direkt von einer Alkoholkontrolle in
der Einfahrt des Getränkestützpunkts und hatte einen Kasten
Bier mitgebracht. Als er Kowalkes Zustand sah, sagte er: "Hätte
ich das gewusst, hätte ich Grog konfisziert."
Kowalke, der hinter seinem Rechner zusammengebrochen war, hob ächzend den
Kopf von der Tastatur. Drombusch erschrak. Der Polizeianwärter
war über zwei Schleimfäden, die ihm aus der Nase hingen,
mit dem Computer verbunden. Er sah aus wie einer dieser
durchgeknallten Filmhelden, die ihre Seele ins Netz einspeisten, um
gegen die Matrix zu kämpfen. Dort regnete es ständig, und
Drombusch ahnte nun, wo sich Kowalke erkältet hatte.
Dann fiel
sein Blick auf den Monitor. Da wusste der Wachtmeister, dass alles zu
spät war. Buchstabensalat wucherte auf dem Bildschirm: cvnm,
cvnm, cvnm ... und es wurde immer mehr.
Drombusch griff zum Telefon und wählte die Nummer des Systemhauses. "Ihr
müsst herkommen", sagte er. "Ich glaube, unser
Frischling hat den Rechner mit seinem Virus angesteckt."
Die Jungs vom Systemhaus schickten ihren besten Mann. Das Bereitschaftstelefon,
das dem Techniker hinten am Gürtel hing, verlieh ihm eine extrem
kompetente Ausstrahlung. "Wahrscheinlich ein Wurm", sagte
der Experte. "Habt ihr eine Idee, wo der herkommen könnte?"
"Na
ja", meinte Drombusch, "dem Revierleiter ist im Sommer
die Angelbüchse vom Schreibtisch gefallen ..."
Aber das war es nicht.
Der
Techniker verlangte die CD mit der Aufschrift Norton Antivirus,
die zur Grundausstattung des Rechners gehörte. Aber die CD war
weg. Kowalke hatte sie aufgegessen, um seine Infektion zu bekämpfen.
Der Durchfall war auch schon viel besser geworden. "Ich habe
jetzt eine Verstopfung", freute sich der kranke Jungpolizist.
Der Techniker klemmte sich hinter den Monitor und beobachtete das Virus:
cvnm, cvnm, cvnm ...
Es replizierte sich in einem fort. "Sieht so aus, als mische sich
das Virus völlig planlos in sämtliche Routinen des Systems
ein, geradezu hektisch."
"Verstehe", sagte Drombusch. "Wie ein Politiker."
Dann fiel ihm etwas ein: "Kowalke hat hier dran rumgelötet."
Der Polizeianwärter verteidigte sich: "Ich war nur außen
am Gehäuse."
Der Techniker erstarrte. Am rechten Seitenblech war ein
Getränkedosenhalter befestigt. "Was soll das?"
"Casemodding",
versetzte Kowalke.
In dieser Sekunde machte der Experte eine weitere Entdeckung: Die Tastatur des
Jungpolizisten war mit einer klebrigen Substanz kontaminiert. Es war
eine Art Leitpaste. Betroffen waren vier Tasten: cvnm.
"Und was ist das?"
Kowalke hob die Schultern und schniefte: "Nasenmodder."
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