|
(18) Bescherereien
(Zeitungsfassung)
Im Polizeirevier Tief-Ost war eine Weihnachtsfeier anberaumt worden.
Drombusch hatte bei einer Lebensmittelkontrolle im Aldi-Markt
Spekulatius und löslichen Kaffee sichergestellt, und der
Revierleiter hatte am Computer einen Aushang gestaltet, auf dem
stand, dass Straftaten im Bereich der hiesigen Dienststelle
vorübergehend strengstens untersagt waren. Das sollte den
Beamten ihre verdiente Weihnachtsruhe sichern.
Während sie auf KM Margitta Mehlhorn warteten, führte Polizeianwärter
Kowalke seinen Beitrag für das Gelingen des Abends vor. Der
übereifrige Jungpolizist hatte herausgefunden, wie man sich von
den Revier-Rechnern aus ins sächsische Verkehrsleitsystem
einloggte.
"Wisst ihr, weshalb unser Computerprogramm Integrierte Vorgangsbearbeitung
heißt? Weil man zeitgleich mit den Straßenampeln auch die
Signale der Eisenbahn steuern kann."
Die anderen verfolgten auf dem Monitor gebannt Kowalkes Regieversuche.
Morgen würde es wieder heißen, der Weihnachtsverkehr sei
katastrophal gewesen.
POM Schröder hatte auch in diesem Jahr eine Figur zur Ergänzung
des dienststelleneigenen Weihnachtsberges gedrechselt. Es handelte
sich um einen Nussknacker in Polizeiuniform, mit dessen Kauwerkzeug
man Führerscheine entwerten konnte. In der Dekoration standen
bereits ein Bergmann und ein Engel, beide ebenfalls in
Polizeiuniform. Der Bergmann hielt eine Stoppkelle und ein
Blutentnahmegerät in den Händen, der Engel umklammerte zwei
Verkehrsregelstäbe.
Plötzlich
war ein Geräusch zu hören. Als Drombusch aus dem Fenster
spähte, erhaschte er einen Blick auf einen Mann im
Weihnachtskostüm, der sich an der Fassade des Reviers hoch
hangelte.
Der Wachtmeister handelte umgehend.
Er nahm die Stehleiter, mit der sie den Tannenbaum angeputzt hatten, und
zwängte sich durch das Oberlicht. Der falsche Weihnachtsmann
wälzte sich soeben über die Dachkante. Drombusch erwischte
ihn mit einem Gummigeschoss genau zwischen den Augen. Stumm vor
Entsetzen kippte der Eindringling hintenüber und fiel in den
Rotdornbusch hinten auf dem Revierhof.
Als der Wachtmeister in die Amtsstube kletterte, fragte der Chef: "Was
war denn los?"
Während Drombusch berichtete, ging die Tür auf und Margitta Mehlhorn
erschien. Sie hatte sich als Christkind verkleidet. Die Kriminalistin
trug das Brautkleid ihrer Mutter und hatte sich letzte Nacht offenbar
Lockenwickler ins blonde Haar gedreht. Auf ihrem Kopf saß eine
zum Heiligenschein umgebaute Dienstmütze.
"Na, das ist aber eine Überraschung", fand der Revierleiter.
Margitta Mehlhorn lächelte geheimnisvoll. "Wartet nur ab, die
Überraschung wird noch größer. Der Polizeidirektor
hat beschlossen, sich im neuen Jahr intensiver um seine Landreviere
zu kümmern. Den Anfang will er heute Abend machen, indem er
persönlich die Bescherung vornimmt. Er wollte eigentlich schon
da sein ..."
Die Männer blickten Drombusch entgeistert an. Nach einer Weile
räumte der Wachtmeister ein: "Schöne Bescherung."
|