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(19) Der Preis ist heiß
Im
Polizeirevier Tief-Ost herrschte feierliche Stimmung. POM Schröder,
der Revier-Oldie, war ausgezeichnet worden: Für zehnjährigen
unfallfreien Umgang mit der berüchtigten Dienstpistole Heckler &
Koch P7.
Es gab kaum einen Polizisten, der mit der P7 nicht schon mal einen Spatz
vom Dach oder sich selbst ins Knie geschossen hatte. Denn die Waffe
neigte dazu, von allein loszugehen. Eine nützliche Eigenschaft,
wie Drombusch fand. Letzten Herbst hatte der Wachtmeister die
standrechtliche Erschießung eines Falschparkers erfolgreich
seiner P7 anlasten können.
Aus POM Schröders Dienstpistole hatte sich seit zehn Jahren kein
Schuss mehr gelöst, wie der Polizeipräsident bei der
Ordensverleihung beeindruckt erklärt hatte. Genau genommen hatte
sich aus der Waffe des Revier-Oldies noch nie ein Schuss gelöst,
weil sich der alte Beamte nicht erinnern konnte, wo er die Pistole
nach der Waffenausgabe vor zehn Jahren hingelegt hatte. Aber das
konnte der Präsident nicht wissen, und nun galt POM Schröder
als Held der sächsischen Polizei.
"Eine große Ehre für unsere Dienststelle", jubelte der
Revierleiter.
"Mmh",
knurrte Drombusch, der nicht mehr ausgezeichnet worden war, seitdem
der exzessive Verbrauch von Strafzettelblöcken als
Materialverschwendung ausgelegt wurde.
Polizeianwärter Kowalke warf ein: "In der Schule haben mich die Mädchen
mal als Vogel des Jahres nominiert."
Aber das reichte dem Revierleiter nicht. Er war vom Medaillenfieber
erfasst worden. "Diesen Monat erringen wir eine Auszeichnung
für das ganze Revier", kündigte er an und schickte
seine Männer an die Computer. "Die müssen extrem
sauber werden, wenn wir gewinnen wollen."
Die Beamten begannen damit, den Tast von ihren Monitoren zu spachteln und
kalten Kaffee aus den Tastaturen abzupumpen. Im Keyboard von POM
Schröder nistete eine Kreuzspinne. Sie wurde mit den Ameisen aus
Kowalkes Tastatur zur Strecke gebracht. Die Biester standen unter dem
Einfluss von Colaspritzern, waren überdreht und blutrünstig.
"Wozu soll der Scheiß gut sein?" murrte Drombusch.
Der Revierleiter erwiderte: "Vertrau mir, Horst. Der Preis
ist mit 249,95 Euro dotiert." Als die Beamten das hörten,
legten sie sich mit frischem Elan ins Zeug.
Mit einer Maurerkelle löffelte der Wachtmeister den Staub aus dem
Innern der Rechnergehäuse; die vollen Eimer schleppte Kowalke
freiwillig nach draußen. Um die Kugel in der Maus des Chefs
wieder in Gang zu kriegen, musste POM Schröder sein
Sandstrahlgerät von zuhause holen.
"Also, was ist das nun für ein Preis?" verlangte Drombusch zu
erfahren.
Der Revierleiter hielt ein Prospekt vom Systemhaus in die Höhe, das
am Morgen gekommen war. Darauf stand: "Wartungspreis
EDV-Anlage, 249,95 Euro."
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