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(22) Sesam Security
Im Polizeirevier Tief-Ost klemmte die Tür
zum Chefzimmer. Das passierte jetzt häufig, denn in die Tür
war ein Magnetschloss eingebaut worden. Bitte Karte einschieben,
stand auf dem Display, und der Revierleiter, ein gerissener
Skatbruder, hatte mal wieder den Eichelbuben in den Schlitz gerammt.
Die Jungs vom Systemhaus hatten das gesamte Revier mit automatischen
Türen ausgestattet, die nahezu lautlos zur Seite glitten.
Allerdings reagierten sie ein bisschen träge. Der übereifrige
Polizeianwärter Kowalke zog sich nun bei jedem Einsatz blaue
Flecke zu. Für POM Schröder, den Revier-Oldie, besaßen
die Türen aber genau das richtige Tempo.
"Hier sind eure Codekarten", sagten die Techniker nach Abschluss der
Installationsarbeiten.
Drombusch knurrte: "Soviel zur Toilettenbenutzung. Aber wie kommen wir
ins Revier?"
Die Codekarten waren jedoch nur für die Küche gedacht. Die
Revier-Pforte selbst war mit einem Netzhaut-Scanner gesichert, der
die Größe und Beschaffenheit der Blutgefäße im
Auge vermaß. Nach einem Abend in der Gastwirtschaft mussten die
Männer vom Revier Tief-Ost manchmal eine Dienstschicht ausfallen
lassen.
Im Toilettentrakt gab es Handabdruck-Scanner. Die Beamten mussten ihre
rechte Hand in einer gallertartigen Kontaktflüssigkeit
versenken. Solche Geräte waren der letzte Schrei. Wollten die
Männer wieder aus dem Klo heraus, mussten sie beide Hände
in einen Scanner mit Waschgel stecken. "Zum Schutz eures
Reviers gehört jetzt auch ein Hygienepaket", erklärte
dazu ein Techniker, während er ein Kreuz neben eine fünfstellige
Zahl auf der Rechnung machte.
Die Gittertüren im Zellentrakt arbeiteten mit kombinierter Sprach-
und Passworterkennung. Damit sich eine Zelle öffnete, musste der
Computer zunächst die Stimme eines der Polizisten aus dem Revier
Tief-Ost erkennen. Dadurch sollte künftig verhindert werden,
dass Kollegen aus dem Innenministerium Drombuschs Gefangene
freiließen, wie letzten Monat den polnischen Europagesandten.
Den hatte der Wachtmeister eigentlich gegen Wjatscheslaw Dolonski,
den Brieftaschenschlitzer aus Breslau, eintauschen wollen.
Damit sich die Gitter öffneten, war neben der richtigen Stimme auch
ein Passwort nötig. Es lautete Sesam. "Originell, was?"
feixten die Systemtechniker. Sie waren groß in Form und wollten
zuguterletzt die Fahrstuhltüren des Reviers mit einem
Fußzehenscanner ausstatten.
"Wir haben keinen Fahrstuhl", wandte der Chef ein. "Unser
Revier ist ein Flachbau."
Die Techniker wirkten enttäuscht, fingen sich aber rasch wieder.
"Wir lassen die Scanner schon mal hier, falls ihr später
einen Fahrstuhl bekommt."
Die Angelegenheit konnte nicht zu Ende diskutiert werden, weil Drombusch
dazwischenplatzte. Der Kaffeekassenknacker Schlieder war aus seiner
Zelle entwischt! "Wer hat Schlieder zuletzt gesehen?"
rief der Wachtmeister.
Kowalke meldete sich.
"Wann war das?"
"Heute morgen, als ich ihn gefragt habe, ob er Mohn- oder Sesambrötchen
zum Frühstück will."
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