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(24) Viewegs Pendel
Im Polizeirevier Tief-Ost zuckten die Monitore. Gezackte Störstreifen liefen über die Bildschirme, Lautsprecher knisterten wie der Rias aus alten DDR-Radios.
Per Ferndiagnose hatten die Jungs vom Systemhaus einen Neustart empfohlen, aber nach dem tausendsten Versuch schwante dem Revierleiter Schlimmes.
"Da ist was faul", sagte er und entschied, Lutz Vieweg anzurufen.
Vieweg war ein Experte für die ganzheitliche Betrachtung von Problemen. Er arbeitete als Baubiologe, Handaufleger und Aurenleser, schrieb Rohkost-Rezepte und verkaufte Lebensversicherungen.
"Hallo, Männer", rief er, als er ins Revier stürmte. "Ich habe euch einen Rettich aus ökologischem Landbau mitgebracht."
Die Polizisten verzogen die Gesichter. Die Früchte von Viewegs Bemühungen als Bio-Bauer waren vitaminreich und arm an Geschmack.
"Du sollst eigentlich herausfinden, was mit unseren Computern nicht stimmt", erinnerte der Revierleiter.
Aber der Gesundheits-Guru wollte sich erst vergewissern, dass es den Beamten gut ging. Auf POM Schröders Schreibtisch entdeckte er eine Flasche mit einer kristallklaren Flüssigkeit.
"Osmotisches Wasser, das ist gut! Aber trinken Sie mindestens vier Liter täglich."
Der alte Kollege schaute verunsichert. Vier Liter Wodka - das schaffte man nicht mal am Ende eines langen Polizistenlebens, wenn man bereits völlig desillusioniert war.
"Was macht der Meniskus, Herr Wachtmeister?" Vieweg legte seine Hand tastend auf Drombuschs Knie.
"Wenn du nicht sofort die Griffel wegnimmst, schnappt er dir in den Arsch", knurrte der Wachtmeister. Vieweg versuchte seit geraumer Zeit, die Beamten für bioenergetische Wohlfühlmassagen zu begeistern - vergebens.
Drombuschs Drohung bewirkte, dass sich der ganzheitliche Experte endlich dem Computer-Problem zuwandte: "Es könnte an den Erdstrahlen liegen. Vielleicht müssen wir das gesamte Revier umbauen. Aber lasst mich erst mal Kontakt aufnehmen."
Vieweg zog ein Pendel aus der Hosentasche und versetzte sich in Trance.
Pling!
Das Pendel wurde vom nächstbesten Computergehäuse angezogen und klebte fest, wie ein Magnetsticker an der Kühlschranktür.
Lutz Vieweg erbleichte. "Ihr habt da eine enorme Kraftquelle!"
Aber es war nur eine der neuen Wasserkühlungen, die die Jungs vom Systemhaus unlängst in die Rechner eingebaut hatten.
"Gibt es vielleicht noch mehr, das ich besser wissen sollte", fragte der Bioenergetiker verstimmt.
Kowalke zückte sein Handy, um im Systemhaus nachzufragen.
"Vorsicht!" kreischte Vieweg. "Mobilfunkstrahlen machen die Blut-Hirn-Schranke durchlässig. Da gelangen Giftstoffe in deinen Kopf."
Drombusch stieß den Revierleiter an. "Das erklärt Kowalkes permanente Fehlleistungen."
Lutz Vieweg fiel etwas ein. "Wo sind eigentlich eure Krebsmäuse?"
Vor einigen Wochen hatte er den Polizisten einen Käfig voller Kleinnager aufgeschwatzt. Sie sollten die Männer vor Elektrosmog warnen. Falls die Mäuse Geschwüre bekamen, mussten die Beamten umgehend das Revier verlassen.
Drombusch führte den Experten zum Käfig. Die Mäuse hatten ein Loch in den Boden genagt und waren geflohen. Eine Kotspur führte in den Serverraum.
Im Zentralrechner wimmelten weiße Fellknäuel durcheinander und nagten die Isolierung von den Kabelbäumen. Es gab ungefähr eine halbe Million Mäuse und fast keine Kabel mehr.
"Das ist seltsam", murmelte der Guru. "Zwischen all dieser Strahlung müssten sie eigentlich vollkommen steril sein und unter Appetitlosigkeit leiden"
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