REVIER TIEF-OST

(25) Blitzkrieg III

Im Revier Tief-Ost muckerten mal wieder die Rechner. Nur ein Computer war noch am Netz, aber der diente im Chefzimmer als Aquarium. Niemand durfte eine Taste drücken, weil das den Bildschirmschoner ausgeschaltet hätte.

"Eine gute Gelegenheit, euch ein bisschen Bewegung zu verschaffen, Männer", meinte der Revierleiter. "Ab auf Streife!"

Drombusch und Kowalke nickten. Nur POM Schröder verzog schmerzgepeinigt das Gesicht. Er hatte heute schon zuviel Bewegung gehabt. Auf dem Rückweg vom Toilettentrakt war seine Bandscheibe ausgerastet. Wenn man alt wurde, kam ein Gang auf die Kloschüssel einer Expedition zum Mount Everest gleich.

Der Oldie blieb also auf seinem Drehstuhl hocken, während Drombusch und Kowalke den Abfangjäger aus der Garage holten.

Früher hatte die Polizei Videoverfolgungsfahrzeuge vom Typ OO gehabt - Opel Omega, die von den Rasern des neuen Jahrtausends jedoch abgehängt wurden.

Auch die Fahrzeuge vom Typ PP - Porsche Predator - waren den Schrecken der modernen Autobahn nicht immer gewachsen.

Deshalb war dem Revier eine Tempokontrollwaffe der nächsten Generation überstellt worden: MM - ein Maserati Makro. Wobei sich der Zusatz auf den Hubraum bezog. Der Maserati Makro besaß eine Sechs-Hektoliter-Maschine, Nachbrenner von Mikojan & Gurewitsch sowie ein Reservefass Raketentreibstoff auf dem Dachgepäckträger.

Bei den Rasern der Region verschaffte sich der Abfangjäger rasch Respekt, denn er verfügte über Digitalkameras mit 20 Millionen Pixel Auflösung, ein Rundumblitzgerät und einen Hochgeschwindigkeits-Knöllchendrucker. Außerdem hatte Polizeianwärter Kowalke, der in seiner Jugend jahrelang an einer alten MZ herumgeschraubt hatte, weitere Verbesserungen hinzugefügt.

Der erste Raser, den sie in die Schanken wiesen, war Rudi, der Rollstuhlfahrer. Der Rentner ließ sich erschrocken in den Straßengraben fallen, als hinter ihm das Wummern eines schweren Maschinengewehres erklang. Kowalke hielt und lehnte sich aus dem Fenster: "Tag, Rudi, krasser Auspuff, was? Ist nagelneu."

Danach verfolgten sie Sérge, den Leiter des christlichen Jugendklubs, der auf seinem Fahrrad den landwirtschaftlichen Plattenweg entlang strampelte. Der Maserati Makro röhrte so lange hinter ihm her, bis Sérge die Nerven verlor und heftiger in die Pedale trat.

Da zog Kowalke an ihm vorbei, und Drombusch löste den 1000-Watt-Blitzer aus. Sérge machte augenblicklich einen Überschlag.

"Sie hätten ruhig mal den Greifhaken abfeuern können, den ich eingebaut habe", schmollte Kowalke.

Während Drombusch den Kostenbescheid für Unfallaufnahme und Wiederbelebungsmaßnahmen ausdruckte, rauschte auf der Landstraße ein getunter BMW vorbei.

"Kriegst du den, Junge?" fragte der Wachtmeister.

Kowalke winkte ab. "Null Problemo. Wir haben noch ein As unter der Haube." Und schon brausten sie los.

Der BMW-Fahrer wunderte sich, als im Rückspiegel ein Polizeikreuzer auftauchte, der sich schlangenartig fortbewegte. Neugierig geworden, stoppte er am Straßenrand.

Drüben gingen die Türen auf und zwei lachende Beamte stiegen aus. So freundlich hatte der Autofahrer die Polizei noch nie erlebt

Drombusch sah seinen verdatterten Blick. "Ja, glotz' nur. Du kannst uns nicht entkommen!" kicherte der Wachtmeister.

Und Kowalke prustete: "Genau! Wir haben nämlich Lachgas-Direkteinspritzung. Direkt in den Fahrerraum."

In der Zeitungsfassung dieser Geschichte fehlte die Passage, die erklärt, weshalb POM Schröder beim Einsatz nicht dabei ist. Sie musste aus Platzgründen gestrichen werden. Im Netz darf der Revier-Oldie seinen Kurzauftritt natürlich absolvieren.