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(27) Robin ROM
Während des Morgenkaffees erschien Margitta Mehlhorn von der K im Revier Tief-Ost. Der Chef holte ihr beflissen die Kaffee-Neige von der Wärmeplatte. Die Kriminalistin bedankte sich und sagte: "Ab sofort gehört ihr zur Soko Sauger!"
Drombusch brummte zufrieden. "Wurde auch Zeit, dass jemand etwas gegen die Stechmückenplage unternimmt."
Leider konnte der Wachtmeister nicht mitmachen, weil er gegen die Asphaltbrenner ermitteln musste. Das war eine Vereinigung jugendlicher Raser, die sich funkelnde Silberscheiben ins Cockpit hängten, um die Blitzgeräte der Polizei auszutricksen.
Bei der Auswertung der jüngsten Fotoserie hatte sich auf jedem zweiten Bild Drombuschs Gesicht gespiegelt, was es für den Wachtmeister zu einer persönlichen Angelegenheit machte. Er schnappte sich Stoppkelle und Hartgummiknüppel und verschwand nach draußen.
"Äh, nun ja", sagte Margitta Mehlhorn, "bei der Soko Sauger geht es nicht um Mücken, eher um einen Elefanten."
POM Schröder stopfte sich die letzte Hackepetersemmel in den Mund und murmelte etwas, das wie "Veterinäramt zuständig" klang, aber die blonde Kriminalmeisterin ließ sich nicht beirren.
"Ihr erinnert euch an die Raubkopierer, die wir letztes Jahr gejagt haben? Das waren kleine Fische. Mir war immer klar, dass die Bande einen Mann im Hintergrund hat, einen Spiritus Rector."
Der Revierleiter blinzelte überrascht. "Sie meinen den alkoholkranken Schulleiter vom Juhnke-Gymnasium?"
Margitta Mehlhorn knallte ein Foto auf den Tisch. Es zeigte einen jungen Mann mit Ohrring, Nasenpiercing und einem Stahlzapfen durch die linke Augenbraue.
POM Schröder kam der Hackepeter hoch. "Wer hat das arme Schwein so zugerichtet? Die sibirische Mafia?"
Polizeianwärter Kowalke schnippte mit den Fingern. "Das ist Tilo aus dem Copyshop. Alle nennen ihn den Sauger."
Margitta Mehlhorn nickte bedeutungsvoll. "Das ist der Mann, der den Half Life 2-Quellcode gestohlen hat. Der DVD-Ripper, bei dem man jetzt schon Kill Bill 3, Terminator 4 und Conan, der Entwicklungshelfer kaufen kann. Tilo, der Sauger. Klingelt es bei euch? Er saugt Sachen aus dem Internet, brennt sie und verkauft sie weiter."
"Oh", machte der Chef, "und wir dachten bisher immer, er sei sexuell alternativ ausgerichtet."
"Schnappen wir uns den Kerl", befahl die Kriminalistin. Die Beamten nickten. Das war genau das, was Wachtmeister Drombusch schon lange vorgeschlagen hatte.
Tilo, der Sauger lebte in einem alten Lagerhaus am Dorfrand. Ein armdickes Kabel lief vom Gebäude zum nächsten Telefonverteilerkasten.
"Sein Traffic hat ihn verraten", erläuterte Margitta Mehlhorn. "Er hat mehr Datendurchsatz als das Ifo-Institut, das im Auftrag der Regierung nach Auswegen aus der Krise sucht."
Die Polizisten schlichen sich ins Gebäude. Gleich rechts stand eine Apparatur mit zwei Dutzend DVD-Laufwerken. Als Kowalke auf einen Knopf drückte, fauchten Flammen aus den Lüftungsschlitzen, wie bei einem Schmelzofen.
"Ein Hochleistungsbrenner", erkannte Margitta Mehlhorn. "Wusstet ihr, dass sich der Kerl für einen Rebellen hält? Robin ROM, der es den Firmen nimmt und es dem Volke brennt."
Robin ROM saß hinter der nächsten Tür an einem monströsen Rechner mit Extrembreitbandanschluss und 100-Terabyte-Festplatte. Als er die Polizisten sah, schlug er hektisch auf einen roten Nottaster.
Summend erwachten vier riesige Magnetspulen zum Leben - in jeder Ecke eine. Kowalke wurde die Dienstwaffe aus dem Koppel gerissen. Auch Tilos Gesichtsschmuck floppte durch den Raum und zwang die Beamten in Deckung.
Dann tobte ein knisternder Kugelblitz durch die Luft, löschte die Beweise auf der Festplatte und verflüssigte POM Schröders Goldplombe.
"Er entkommt!" kreischte Margitta Mehlhorn.
Robin ROM hastete zu seinem Polski Fiat, froh, dass er wenigstens den Karton mit den fertig gebrannten Titanic Resurrection-CDs retten konnte.
Seine Freude währte nur bis zur nächsten Kreuzung. Dort standen zwei rotweiße Sperrbaken, dahinter drei rostige Panzersperren und davor stand Wachtmeister Drombusch mit einer Stoppkelle in der Hand.
"Verkehrskontrolle!" knurrte der grimmige Polizist.
Robin ROM entspannte sich. Er hatte nichts zu befürchten. Er verfügte sowohl über ein Warndreieck als auch über einen gültigen Sanikasten.
Aber dann entdeckte Drombusch die spiegelnden CDs im Kofferraum. Augenblicklich wechselte er von der Stoppkelle zum Gummiknüppel.
"Du bist also das Schwein, das die Blitzschutz-Amulette verhökert!"
Robin ROMs Auftritt war fast ein Jahr lang geplant, ehe die Geschichte endlich geschrieben wurde. Die Story musste reifen … und dann war sie so reif, dass sie beinahe doppelt so lang wurde wie erlaubt. Die Zeitungsfassung war deshalb stark gekürzt. Das hier ist die vollständige Fassung.
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