REVIER TIEF-OST

(34) Crime Search


Gegen 10 Uhr kam Margitta Mehlhorn von der K ins Revier Tief-Ost. Sie sah mitgenommen aus. Im Morgengrauen hatte das SEK den Logopäden-Kongress im Waldhotel mit Nebelgranaten ausgeräuchert. Ein Veranstaltungshinweis in der Heimatzeitung tags zuvor hatte bei der blonden Kriminalistin einen Verdacht geweckt: Logopäden! Waren das nicht diese Perversen, die sich Pornobilder auf ihre Handys luden?

Margitta Mehlhorn hatte sich geirrt.

"Oh Mann", sagte sie. "Ich bin ja so was von am Arsch. Ich brauche jetzt dringend einen Kaffee und einen Fahndungserfolg."

Drombusch überlegte, ob er ihr von seinen Ermittlungen gegen den Jugendklub erzählen sollte. Er hatte Fotos, die zeigten, wie die Jugendlichen zu Weihnachten Glühwein tranken. Wie sie an Silvester Papierschlangen in die Luft warfen. Und wie sie auf der Suche nach Ostereiern den Rasen betraten. Er war sicher, zu Pfingsten würden sie ihren nächsten Fehler machen, und dann …

Der Revierleiter kam ihm zuvor. Er war seit langem scharf auf die zierliche Kriminalmeisterin und sah seine Stunde gekommen. "Wir sehen gleich mal im Internet nach. Das Internet ist dermaßen kriminell, da werden wir sicher fündig."

Er befahl Polizeianwärter Kowalke, als erstes nach Mafia-Aktivitäten zu scannen.

"Oki-Doki", krähte Kowalke und tippte *mafia* in die Suchmaschine. "Eine ganz fortschrittliche Recherchemethode. Haben mir die Jungs vom Systemhaus beigebracht."

Ob Russen-, Müll- oder Organspender-Mafia: Mit diesem Suchbefehl stöberte man sie alle auf. Auch Mafia-Pate, Mafia-Gelder oder Mafia-Aktivitäten der nächsten zehn Tage.

Der Computer spuckte die Namen mehrerer Verdachtspersonen aus: Francis Ford Coppola, Al Pacino, Robert De Niro und Boris Wladimirow.

Wladimirow war bis vor kurzem der Pate des Ortsvereins der sibirischen Mafia gewesen. Auf dem Parkplatz vor dem Aldi hatten die Beamten Wladimirow schon einmal am Wickel gehabt. Der Verdächtige schleppte sechs eingeschweißte Zweiliterflaschen Mineralwasser zu seinem Niva, und Drombusch hatte ihn wegen Handels mit schwerem Wasser verhaftet. Aber die Weichwürste von der Staatsanwaltschaft ließen den Sibirier wieder laufen, und jetzt war er untergetaucht.

Kowalke gab *raub* ein, was ihm theoretisch alle offenen Raubmorde und einen Überblick über mögliche Mädchenraub-Vorkommnisse liefern sollte.

Auf dem Bildschirm erschien der Termin für ein Symposium über Raubwanzen und die Bestellnummer eines Buches über einen Volkshelden namens Hotzenplotz. Kowalke druckte Margitta Mehlhorn schließlich eine Liste mit Raubfischen der sieben Weltmeere aus.

"Das nächste Weltmeer ist aber ganz schön weit weg", seufzte die Kriminalistin. "Wenn ich nicht degradiert werden will, müsste ich schon einen Drogenbaron schnappen, zumindest aber einen Drogendealer."

Der Revierleiter gab Kowalke einen Wink. Dieser tippte: *drog*.

"Partydrogen, Drogenrausch", las der Polizeianwärter. "Und hier: Handel mit Dro … Droge … irgendein scheißschweres Wort."

Die Kriminalistin warf einen Blick auf den Monitor und erbleichte. "Mein Gott, das ist ja ein ganzes Netz!"

Am nächsten Morgen stürmte das SEK sämtliche Ladenlokale in der Region Tief-Ost, die sich des Handels mit Drogerieartikeln schuldig gemacht hatten. Margitta Mehlhorn wurde nicht befördert.





Boris Wladimirow, der Pate der sibirischen Mafia, der in dieser Geschichte am Rande erwähnt wird, ist der Hauptschurke im Roman "Die Männer vom Revier Tief-Ost". Die Bemerkung, Wladimirow sei untergetaucht ist doppeldeutig: Vielleicht hält er sich versteckt. Leser des Romans könnten aber die Auffassung vertreten, hier sei Wladimirows Schicksal gemeint. Dann allerdings stünde hier wahrscheinlich geschrieben, dass Wladimirow auf Eis gelegt sei ...

Die Frage lässt sich nicht abschließend beantworten. Obwohl die Zeitungsserie dieselben Figuren verwendet wie der Roman, sind die Zeitlinien nicht aufeinander abgestimmt. Diese Geschichte hier könnte also sowohl vor als auch nach den Ereignissen im Roman spielen. Tja, sehr hilfreich waren diese Zeilen nicht ...