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(36) Der Seuchenherd
Wachtmeister Drombusch war am Boden zerstört. Bereits im dritten Jahr hintereinander war sein Investitionsantrag abgelehnt worden. Angeblich verfügte das Innenministerium nicht über genügend Geld, um sämtliche Astlöcher an der Dorfstraße mit japanischen Miniatur-Blitzgeräten auszustatten.
Drombusch fühlte, wie sein Blutdruck unters Schädeldach schoss, aber er wollte nicht schon wieder zum Arzt gehen. Deshalb presste er einfach die Dienstmütze fester auf die Stirn und hoffte, dass sie seinen Kopf zusammenhielt.
Doktor Krätzer, der Landarzt der Region Tief-Ost, war ihm suspekt. Seitdem er einen Diagnosecomputer bekommen hatte, machten sich neue exotische Krankheiten breit, von denen zuvor noch niemand etwas gehört hatte.
POM Schröder, dessen Hinterteil im Sitzen juckte, litt angeblich unter Sasser-Würmern.
Die roten Ohren von Polizeianwärter Kowalke führte der Doktor auf WAP-Viren zurück, und beim Revierleiter, der anstatt Protokolle zu tippen, lieber auf den Baggersee hinausfuhr um zu angeln, hatte er einen Bootvirus diagnostiziert.
Der Dauerschnupfen von Kriminalmeisterin Margitta Mehlhorn lag angeblich an einem Makrovirus.
Bei jeder sich bietenden Gelegenheit setzte Doktor Krätzer seinen Computer ein. Drombuschs Bluthochdruck führte er auf Zafi-D zurück, womit er vermutlich sogar richtig lag, denn Zafirow, Danilo hieß der bulgarische Mercedesschieber, hinter dem der Wachtmeister seit ein paar Monaten her war.
Aus dem Zimmer des Revierleiters ertönte eine Stimme: "Horst, kannst du mal kommen?"
Der Chef hatte routinemäßig das Antivirenprogramm auf seinem Dienst-PC laufen lassen, und nun zeigte das Befallsprotokoll eine Liste, die fast so voll war wie Drombuschs Radarfallenplaner für die kommende Woche.
"Alles Viren", jammerte der Chef. "Was sollen wir bloß machen?"
Normalerweise riefen sie in einer solchen Situation die Jungs vom Systemhaus an, aber ihr Monatsbudget für technischen Support war bereits ausgeschöpft.
Da fiel Drombusch etwas auf: Die Viren auf dem Chefrechner waren dieselben, die Doktor Krätzer angeblich im Blutkreislauf seiner Patienten entdeckte.
"Du meinst, man könnte sie auch genauso bekämpfen?" fragte der Chef hoffnungsvoll. Drombusch nickte. "Einen Versuch ist es wert."
POM Schröders Würmer wurden mit geriebenen Möhren abgetrieben. Drombusch kippte eine Ladung Karottenraspel in den Lüfterschlitz. Sofort hörte das seltsame Surren auf.
"Das klingt ja schon mal gut", freute sich der Revierleiter.
Polizeianwärter Kowalke blies das Puder, das er auf seine geröteten Ohren streuen musste, in die CD-Lade. Knirschend kam die Festplatte zum Stehen.
"Ein Rückfall", vermutete Drombusch und platzierte den Computer zusammen mit einem Kübel kochendem Wasser unter einem großen Handtuch. So kurierte Margitta Mehlhorn ihren Schnupfen.
Das Dampfbad dauerte keine fünf Minuten, dann gab es einen Blitz und der Monitor erlosch.
"Tja, Männer", meinte der Chef, "die Virenliste ist jetzt weg. Operation gelungen, würde ich sagen …"
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