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(39) Der Cleaner
Die Männer vom Revier Tief-Ost steckten bis zum Hals im Dreck. Was daran lag, dass Olga, die weißrussische Putzfrau, fort war. Das Arbeitsamt hatte ihren 400-Euro-Job nicht verlängert und Olga stattdessen auf einen Linux-Lehrgang geschickt.
Nun war niemand mehr da, der im Revier wischte, bohnerte oder die ausgerissenen Fingernägel im Vernehmungszimmer wegfegte. Die Staubschicht auf den Fensterbänken war bereits höher als der Aktenstapel mit den aussichtslosen Fällen.
"Verdammt, Männer", stöhnte der Revierleiter, "so kann das nicht weitergehen."
Wachtmeister Drombusch blickte von den Unterlagen auf, die er gerade studierte. Er blies in seine Trillerpfeife und brüllte: "Polizeianwärter Kowalke, raustreten zum Stuben- und Tastaturreinigen!"
"Yup!" Der eifrige Jungpolizist schreckte hoch. Er las ein zerfleddertes Taschenbuch, in dem der Held Franco Solo, wie der Name schon andeutete, allein gegen die Mafia kämpfte. "Was liegt an?"
"Du wolltest doch schon immer mal Cleaner sein", begann Drombusch taktisch klug.
"Nein, ich will später mal einen Cleaner ausschalten. Die Kerle arbeiten für die Mafia. Sie beseitigen Spuren."
"Na schön, ich habe trotzdem eine gute Nachricht für dich." Drombusch wies auf die überquellenden Papierkörbe. "Ab sofort stehst du allein gegen die Müllmafia! Der ganze Müll dort ist, wie uns der Begriff verrät, die Mafia."
Kowalke schaute belämmert drein und wollte wissen, ob er mit Verstärkung rechnen könne.
"Stell dir einfach vor, du heißt Detlef Alleine", sagte Drombusch, was, wie der Name andeutete, Nein heißen sollte.
Der Jungpolizist stöhnte. Er sah sich vor einer schier unlösbaren Aufgabe. Im Revier sah es nämlich wirklich schlimm aus. Das Linoleum war stumpf, die Scherben des letzte Woche explodierten Monitors scharf und die Schreibtische voller Kaffeeränder.
Da möchte man keinen Hund dran lecken lassen, dachte Kowalke - und hatte einen Geistesblitz.
Ein Hund! Seit kurzem verfügte das Revier über einen elektrisch angetriebenen Roboterhund. Der Wachtmeister hasste das Tier. Er hatte ihm den Akku aus der Brust gerissen und beide in der Waffenkammer eingeschlossen. Kowalke lief hin. Neben dem Roboter fand er den Revierstaubsauger, den Drombusch ebenfalls hasste.
Kowalke spannte den Hund vor den Staubsauger und ließ beide auf das Revier los. Da der Roboter über keine Sprachausgabe verfügte, konnte er nicht Bescheid sagen, als Drombusch die Füße hochnehmen sollte. Der Wachtmeister knurrte böse.
Bald waren die Dreckklumpen, die die Beamten an ihren Einsatzschuhen ins Revier geschleppt hatten, verschwunden, aber der Fußboden musste dringend desinfiziert werden. In der Waffenkammer war eine Flasche, auf der Freibadreiniger stand, und Kowalke fand, das kam nahe genug heran. Er band dem Hund die Flasche um den Hals und stellte den Verschluss auf Tröpfeln.
"Wirklich eine chlorreiche Idee", schimpfte Drombusch, als er die faustgroßen Löcher im Linoleum sah.
Als nächstes ersetzte Kowalke den Schwanz des Roboters durch eine rotierende Schuhbürste und hetzte ihn auf die Kaffeeränder. Genervt machte Drombusch Platz.
Als er wiederkam, musste er verblüfft feststellen, dass der Polizeianwärter ganze Arbeit geleistet hatte. Der Schreibtisch war blitzblank. Sämtliche Kaffeeflecken waren verschwunden. Die Niesspuren auf dem Computerbildschirm ebenfalls. Aber auch die Fingerabdrücke in der Ermittlungsakte, die aufgeklappt auf dem Tisch lag.
Drombusch tobte. "Was bildest du dir ein, wer du bist?"
Kowalke zuckte mit den Schultern. "Ein Cleaner?" Möglicherweise sollte der Name andeuten, dass der Polizeianwärter die Seiten gewechselt hatte.
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