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(41) Akte X
Draußen herrschten 30 Grad im Schatten, und Wachtmeister Drombusch saß allein im Polizeirevier Tief-Ost. Es war so schwül im Objekt, dass die Rechner in einer Endlosschleife herunterfuhren und neu starteten, weil vom Gehäuseinneren Kondenswasser aufs Motherboard tropfte.
Der Revierleiter hatte sich an den Baggersee verabschiedet, wo er eine Wassertemperaturkontrolle vornehmen wollte. POM Schröder war zur Kreislaufstabilisierung ins Krankenhaus überstellt worden und neben ihm, auf der Intensivstation, lag seit vorgestern Abend Anwärter Kowalke mit multiplen Frakturen des Knochenapparates. Er hatte versucht, im Alleingang ein Skinheadkonzert bei den Glatzen Ost aufzulösen. Niemand wusste, was ihn geritten hatte, nicht auf den Sturmtrupp vom SEK zu warten.
Drombusch nutzte die Ruhe, um Akten zu lesen. Da war zum Beispiel das Dokument, das unter römisch Zehn lief und mit einer römischen Dreißig unterzeichnet war, weil sich der Sachbearbeiter über die Schreibweise seines Namens im Unklaren war.
Es war Kowalkes Fall, und es ging um die Landung Außerirdischer in der Region Tief-Ost.
Ralf Spinowski, der örtliche Verschwörungstheoretiker, ging davon aus, dass die Invasion irgendwann zwischen Mariä Himmelfahrt 2005 und dem Sankt Nimmerleinstag stattfinden würde. Drombusch hielt es für abwegig, dass die Aliens landen würden, weil ja nicht einmal mehr Touristen nach Tief-Ost kamen. Aber Kowalke hatte den Hinweis ernst genommen.
Kopfschüttelnd griff Drombusch nach einer anderen Akte.
Der Polizeipräsident hatte die jüngste Schleierfahndung als vollen Misserfolg eingestuft, obwohl die Männer vom Revier Tief-Ost im Verlauf der Fahndung vier Bräute und drei muslimische Jungfrauen unschädlich gemacht hatten. Der Polizeichef erwog nun ein Disziplinarverfahren gegen den Wachtmeister, der die Araber-Jungfern nur im Austausch gegen preiswertes Benzin für das Dienst-Kfz auf freien Fuß setzen wollte.
Drombusch grunzte und nahm sich noch einmal die Akte X vor. Er las: "Erste Maßnahmen der Außerirdischen nach der Landung: Basisbau; Erlangung der Kontrolle über die einheimischen Rohstofffelder." Kowalke hatte den Tipps-und-Tricks-Teil eines PC-Spielemagazins abgeschrieben. Drombusch mochte jedoch nicht glauben, dass die Aliens die Kontrolle über Spätkartoffeln und verbuschte Brombeerhecken erlangen wollten.
Unwirsch klappte er die Akte zu und nahm sich die anderen Fälle vor.
Im letzten Jahr war die Zahl der Diebstähle aus Hosentaschen dramatisch gestiegen. Immer mehr Leute ließen ein Schlüsselband aus ihrer Hose baumeln. Da hatten die Diebe leichtes Spiel. Ein Ruck, und sie erbeuteten, was am anderen Ende hing: Wohnungsschlüssel, Stofftiere und manchmal auch einfach ein zweites Schlüsselband.
Der Chef des Supermarktes beschwerte sich über unrechtmäßig abgeparkte Fahrzeuge. Die Leute stellten ihre Autos tagelang vor dem Markt ab, wuschen und shampoonierten sie, wechselten die Reifen, lackierten sich Rallyestreifen auf die Karossen oder besuchten einfach nur ihre Freundinnen, aber im Supermarkt kauften sie nicht einmal die dafür benötigten Kondome ein.
Drombusch verstand den Groll des Marktleiters, aber vor einem Supermarkt machten Parkkontrollen keinen Sinn. Zwar erkannte man Dauerparker relativ leicht an den vielen Pfund Werbezetteln, die sich unter den Scheibenwischern sammelten, aber leider bedeutete das auch, dass kein Platz für Strafzettel mehr da war.
Drombusch wurde neugierig, ob Kowalke vielleicht eine Lösung für das Problem widerrechtlich abgelandeter Alien-Invasionsschiffe gefunden hatte und blätterte noch einmal in der Akte X.
Offenbar hatte Kowalke weitere Spielezeitschriften zu Rate gezogen: "Um Dich unverwundbar zu machen, drücke Shift, Alt und Z an Deinem PC."
Darunter fand Drombusch den letzten Eintrag des Polizeianwärters vor seinem Treffen mit dem Notarzt: "Tasten-Kombo sicherheitshalber mehrfach gedrückt. Praxistest heute Abend auf dem Konzert."
Okay, der kritische Leser hat es natürlich gemerkt: Diese Folge war Reste-Verwertung. Im Laufe des Serienlebens hatten sich etliche Einzelgags angesammelt, die in keine der bisherigen Geschichten gepasst haben (oder daraus gestrichen werden mussten). Die Zettel mit den entsprechenden Notizen einfach so in den blauen Sack zu werfen, wäre aber schade gewesen. Deshalb diesmal also eine Episoden-Episode. Weder Star Trek noch Stargate kommen ohne solche Folgen aus. Wir müssen uns also nicht unbedingt schämen …
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