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(56) Weihnachtsfrieden
Polizeianwärter Detlef Kowalke saß im Revier Tief-Ost und bereitete sich auf Weihnachten vor. Er hatte die Kerze aus der Notfallreserve angezündet und seine Dienstschuhe geputzt, für den Fall, dass es den Nikolaus doch gab. Die neue Lichterkette fraß so viel Strom, dass für die Computer nichts mehr übrig blieb, womit einem friedlichen Fest nichts im Wege stand. Außer vielleicht Wachtmeister Drombusch, der durchs Einzugsgebiet des Reviers streifte, um ein paar Glühweindealer unschädlich zu machen.
In der Ausnüchterungszelle hockten schon drei Glühweinsüchtige, die Drombusch auf dem Weihnachtsmarkt festgenommen hatte. Kowalke musste ihnen dreimal täglich eine Mokkatasse Kamillentee mit aufgeweichtem Zwieback bringen. Die Delirenten waren inzwischen ganz still geworden. Es war ein ruhiger Job, und Kowalke hatte Zeit, sich seinem großen Weihnachtsprojekt zu widmen: der Reparatur des Roboterhundes, den das Revier vor zwei Jahren bekommen hatte.
Drombusch hatte ihm den Schwanz abgebrochen, und POM Schröder war über ihn gestolpert, bis auch seine Ohren weg waren. Der Akku machte ebenfalls nichts mehr her. Um die Leistung der Batterie zu erhalten, hätten die Beamten den Roboter regelmäßig ausführen müssen, aber davon waren sie abgekommen, weil der Hund jedes Mal, wenn man pinkeln wollte, an der Leine ruckte.
Nur Kowalke liebte den elektrischen Vierbeiner. Seit seiner Kindheit wünschte er sich einen Dackel, und der Roboter kam diesem Traum recht nahe. Periodisch stieß er sogar braune Plastikkügelchen aus, die man ihm vorne wieder hineinstopfen konnte.
Laut Hersteller verfügte der Hund auch über einen hoch entwickelten Geruchssensor, doch die Drogenrazzia im christlichen Jugendklub Martin Luther war trotzdem eine Pleite gewesen. Drombusch wollte die überführten Haschischraucher unverzüglich an die Wand stellen, aber die Jungs vom SEK hatten zweimal hingesehen und lediglich Adventskerzen entdeckt.
Bei der Hetzjagd auf einen eingedieselten Serienfalschparker war der Roboterhund dann in einem Radieschenfeld stecken geblieben und hatte sich einen Getriebekranz gebrochen.
Seitdem lag er in der Asservatenkammer zwischen eingezogenen Führerscheinen und ausgespuckten Kaugummis, die Drombusch mithilfe der DNA-Analyse untersuchen wollte. Doch Kowalke, der Hunde über alles liebte, hatte beschlossen, den Roboter zu reparieren, so wie die Menschen früher aus Anlass des Weihnachtsfestes ihre Puppenstuben, Spielzeugeisenbahnen und Ochsenziemer instand gesetzt hatten.
Die Tür ging auf und der Wachtmeister wehte herein. An einer steif gefrorenen Wäscheleine zog er ein winselndes Etwas hinter sich her. Borstiges Fell, schlaffe Schlappohren, vier Beine, die wie abgebrochen wirkten. Ein verwahrloster Dackel. In Kowalkes Augen aber war er wunderschön.
"Danke, Wachtmeister", schniefte der Jungpolizist glücklich. "Woher wussten Sie es?"
"Woher wusste ich was?"
"Na, die Sache mit dem Hund."
Drombusch verstand nicht, weshalb Kowalke so aufgekratzt war. Die Sache mit dem Hund war einfach gewesen. Sie stand in den Anzeigen von voriger Woche: Ein streunender Köter durchwühlte die Gräber auf dem Friedhof. Drombusch hatte ihn mit einem angenagten Schlüsselbein hinter der Gruft vorgelockt und ihn mit einer Ladung Pfefferspray dingfest gemacht.
"Darf ich ihn ausführen?", rief Kowalke.
Drombusch hob die Schultern. "Meinetwegen, morgen. Erst zum Abdecker und dann in die Tierkörperbeseitigungsanlage." Er achtete nicht auf den konsternierten Blick des Polizeianwärters, als er weitersprach: "Und wenn du schon einmal dabei bist, fahr auch gleich zur Elektroschrottannahmestelle und bring diesen koreanischen Plastikköter fort."
In Folge 32 "Ein bombiges Fest" bekamen die Männer vom Revier Tief-Ost einen Roboterhund geschenkt, der dann in Folge 33 "Der Diensthund" die Hauptrolle spielte. Seitdem sollte der Hund mehrfach wieder auftauchen, doch irgendwie war in keiner Geschichte Platz für ihn. Deshalb wurde es höchste Zeit, den Leser über das traurige Schicksal des Roboters aufzuklären.
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