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Drombusch & Co.
Schon komisch, wo Autoren die Ideen für ihre Figuren herholen. Im Revier Tief-Ost war es so...
Polizeirevier Tief-Ost: Das Revier sollte die letzte Polizeidienststelle sein, die neue Computer-Technik erhält. Das Revier musste also irgendwo in der sächsischen Einöde liegen, tief im Osten. Daher heißt es nicht Revier Nord, Süd, West oder Ost, sondern Revier Tief-Ost. In den Geschichten wird nie gesagt, wo genau das ist, aber vor Augen hatte ich logischerweise die Lausitz.
Im Roman verdichten sich die Hinweise auf diese Region. Sandmeer, Kiefernmeer, gar nichts mehr... das Revier Tief-Ost liegt noch ein Stück weiter östlich davon.
Wachtmeister Horst Drombusch: Ich streite es zwar immer ab, aber es stimmt; der Name Drombusch kam mir in den Sinn, weil ich an die Fernsehserie Oh, diese Drombuschs dachte, obwohl ich die nie gesehen habe.
Den Dienstgrad Wachtmeister gibt es bei der sächsischen Polizei nicht. Das dürfte der Beweis dafür sein, dass dieser Drombusch ein Polizist ist, der sich nur schwer einordnen lässt.
Polizeianwärter Detlef Kowalke: Als ich die erste Folge schrieb, hatte ich mit einem Hochschulprofessor namens Kowalke zu tun. Den Namen fand ich irgendwie witzig, also habe ich ihn verwendet, obwohl mein Polizeianwärter sonst keinerlei ähnlichkeit mit dem Professor hat. Der Dozent wollte mir übrigens eine Zuarbeit machen, hat sich aber nie wieder gemeldet... wer weiß, warum.
Detlef sollte sich ursprünglich Detlev schreiben, mit "v", weil das schön blöd ausgesehen hätte. Aber es hätte zu sehr an Detlev Müller erinnert, einen sehr netten Fotografen-Kollegen. Das habe ich also lieber unterlassen.
Polizeiobermeister Dieter Schröder: Sein Vorbild war ein mir bekannter Zeitgenosse, der wegen eines Rückenleidens Berufsunfähigkeitsrente bezieht, obwohl er in seinem Garten kreuzbrecherische Großtaten vollbringt. POM Schröder ist im Gegensatz dazu wirklich gebrechlich und hundertprozentig faul, hat es aber nicht bis in die Rente geschafft.
Interessant: Ralf Alex Fichtner, der Illustrator des Romans, kannte weder diesen Hintergrund noch den Zeitgenossen, und ich selbst habe POM Schröder nie detailliert beschrieben. Aber als Ralf den Polizeiobermeister zeichnete, hatte dieser eine frappierende ähnlichkeit mit seinem Vorbild, dem Rückenkranken...
Der Revierleiter: Er hat keinen Namen und auch kein Vorbild. Ich sehe manchmal Steve Martin in seiner Rolle als Sergeant Bilko vor mir, wenn ich über den Revierleiter schreibe, aber Ralfs Zeichnung trifft diese Figur noch besser, denke ich.
Ralf hat übrigens zuerst einen superwitzig aussehenden muffligen Beamten-Typ entworfen. Da konnte er noch nicht wissen, dass der Revierleiter in der Lage sein sollte, mit Margitta Mehlhorn zu flirten. Er musste also jünger und fescher aussehen. Die Flirtgeschichte sollte in den Geschichten in der Zeitung schon des öfteren eine Rolle spielen. Aus Platzgründen musste ich diese Passagen jedoch regelmäßig streichen...
Kriminalmeisterin Margitta Mehlhorn: Hat kein Vorbild in natura. Matthias Behrend, ein Journalistenkollege, meinte einmal, das Revier benötige eine Frau. Also habe ich mir einen möglichst blöd klingenden Namen ausgedacht und den Männern eine Kriminalistin spendiert.
Eigentlich sollte sie als Ein-Frau-Ermittlergruppe im Revier stationiert werden, aber in den Zeitungsgeschichten ist ja schon für die anderen Figuren zu wenig Raum, sodass es bis heute bei Gastauftritten geblieben ist. Im Roman ist sie dafür von Beginn an mit dabei.
Ralf Spinowski, der Verschwörungstheoretiker: Als ich die Verschwörung für den Roman entwickelte, nervte mich ein Kollege - Ralf Härtel - ständig mit überwachungs- und Mystery-Themen. Daher Ralf. Und Spinowski? Na ja, das erklärt sich von selbst.
Einige Leute vermuten, dass für die Figur des Verschwörungstheoretikers Dietmar Reimann Pate gestanden hat, der unermüdliche Jäger des Bernsteinzimmers. Da ist ein Quäntchen Wahrheit daran. Spinowskis Fähigkeit, alles mit einer Verschwörung in Verbindung zu bringen, stammt von Dietmar.
Der Kaffeekassenknacker Schlieder: In Folge 1 brauchte ich einen Kleinkriminellen. Mir fiel ein Kaffeekassenknacker ein. Ich gab ihm den Namen eines alten Armeekumpels: Jürgen Schlieder, mit dem ich auf einem Eisenschwein in Cottbus diente. Gruß an Jürgen, falls er das hier liest: Irgendwie haben wir es überstanden!
Sérge, der Sozialpädagoge: Jeder Autor braucht eine Figur, an der er Frust ablassen kann. Bei mir musste es ein Sozialpädaoge sein. Fragen Sie lieber nicht, warum ...
Hans Rucks, der Dorfplauderer: Da wo ich wohne, heißt ein Drittel der Leute Auerswald, das andere Drittel Ficker, das dritte Drittel Rucks. Ich war also irgendwie auf den Namen "geeicht".
Der Vorname stammt von Hans Päßler, einem netten Senior, den ich kenne. Ein liebenswerter Mensch, aber beim Erzählen darf man ihn nicht in Fahrt kommen lassen...
Der Name Ficker wird es demnächst ebenfalls in die Serie schaffen - in Gestalt von Heinz Ficker, dem Tiefenpsychologen. Ein Auftritt von Auerswald ist nicht vorgesehen. Aber einen Vieweg wird es geben.
Boris Wladimirow, Pate der sibirischen Mafia: Bei uns im Erzgebirge gab es vor Jahren mal folgende Standard-Beschimpfung: "Du bist blöd wie ein Ural-Russe". Darüber könnte ich mich heute noch kringeln. Deshalb musste in meiner Serie ein Ural-Russe vorkommen.
Wladimirow sollte seinen ersten Auftritt in einer Geschichte namens Der (P)lauschangriff haben. In ihr sollten die Männer vom Revier Tief-Ost den Mafiapaten im Bordell observieren. Aus Platzgründen habe ich die Geschichte nie realisiert. Mir ist einfach keine Storyline eingefallen, die sich in 100 Druckzeilen pressen ließ. Die Bordell-Observierung findet sich nun als ausführliches Kapitel im Roman wieder. Und den (P)lauschangriff schreibe ich garantiert irgendwann, weil ich den Titel so geil finde.
Wjatscheslaw Dolonski, der Brieftaschenschlitzer: Ich sag nur: Wjatscheslaw. Ich finde diesen Namen so wunderbar bescheuert, dass er einfach in die Serie musste. Die Figur ist nur aus diesem Grund entstanden und hatte bisher leider nur zwei Auftritte. Aber der dritte kommt bestimmt.
Der berüchtigte Hacker Silver Surfer: Für eine Story brauchte ich einen Hacker, und Silver Surfer fand ich witzig - als Synonym für einen weißhaarigen Rentner, der im Internet surft. Hinter dem Silver Surfer verbirgt sich Rudi, der Rollstuhlfahrer, den ich gerne öfter durch die Szenen rollen lassen würde, aber der Platz für Gastauftritte ist viel zu selten da. Daher muss Rudi auf neue Hacker-Themen warten.
Eine andere Figur wartet übrigens seit Monaten auf ihren ersten Auftritt: Der Raubkopierer Tilo, der Sauger. Er hält sich für Robin ROM, der es den Firmen nimmt und es den Armen brennt... Aber er kommt, verlassen Sie sich darauf.
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