|
Interviews mit Mario Ulbrich, dem Erfinder von Wachtmeister Drombusch
Nichts gegen die Polizei: Am Ende hat sie alles im Griff
Freie Presse vom 16.April 2004, Wochenendbeilage
Wie hast Du Wachtmeister Drombusch kennengelernt?
Durch zwei Zeitungsmeldungen. Die sächsische
Polizei hatte ihr neues Computersystem eingeführt. In der einen Zeitung
stand: Alles paletti. Die andere schrieb, dass alles großer Mist sei.
Ich stellte mir vor, was passieren würde, wenn das allerletzte
Polizeirevier, das tief im Osten liegt, Rechner bekommt. Das Ergebnis
war die erste Wachtmeister-Drombusch-Geschichte.
Dein Buch verrät intime Kenntnisse des
anscheinend oft traurigen Polizistenalltags - hast Du etwa selbst
einschlägige Erfahrungen mit den Hütern des Gesetzes gemacht?
Ich wollte selbst mal zur Polizei. Frag lieber
nicht, wieso das nicht geklappt hat. Ich habe nichts gegen Polizisten,
auch wenn sich das im Buch anders liest. Meine Polizisten sind zwar
Chaoten, doch am Ende haben sie alles im Griff.
Viele Leser werden wissen wollen, woher Du all
diese detaillierten Kenntnisse weltweiter Verschwörungen und des
Bordells "Rote Lotuslampe" hast.
überleg mal: Politiker haben keinen Plan, das ist
bekannt. Wieso funktioniert unsere Welt trotzdem? Weil irgendwo da
draußen die Jungs sitzen, die den Plan haben. Das sind die Verschwörer.
Und was die Lotuslampe angeht: Vielleicht wurde ich da von meinem
Unterbewusstsein geleitet. Man könnte auch sagen: triebgesteuert. ;-)
Wohlmeinende Kritiker, die Dein Buch vorab
lesen durften, haben es als frauenfeindlich, männerfeindlich,
ausländerfeindlich, deutschenfeindlich, polizistenfeindlich,
verbrecherfeindlich, DDR-feindlich, ostalgisch und überhaupt als
vollkommenen Blödsinn bezeichnet - wie gehst Du mit solch harten
Urteilen um?
Was soll ich sagen? Die Kritiker haben ja Recht.
Ich hoffe, dass die Leser ihren Spaß daran haben. Man hat in die
politisch unkorrekten Passagen einiges hineininterpretiert. Aber
ehrlich: Mir ging es nicht um versteckte Botschaften, nur um Gags.
Du machst Dich über sehr viele Berufsgruppen
lustig: Polizisten, Verbrecher, Verschwörer, Mitglieder des
Gemeinderates, Existenzgründer, Stalinisten, Döner-Verkäufer,
Mitarbeiter des Ordnungsamtes, die es im richtigen Leben alle mehr oder
weniger schwer haben - ist Dir eigentlich überhaupt nichts heilig?
Nein.
Wenn Du nochmal ein Buch schreiben dürftest, worum würde es darin gehen?
Ich würde die Männer vom Revier Tief-Ost ins
Erzgebirge schicken, wo sie das Bernsteinzimmer finden. Diesmal
begegnen sie Felix Pudelko, dem Ex-Kundschafter, Dr. Ingo Hasselbrink,
dem Rotarier, Werner Petz, dem Hundetrainer und Alfons Donnerhack, dem
Altnazi. Auch die unausstehlichen Kollegen vom Revier Groß-West wären
dabei. Natürlich sind das Bayern.
Dieses Interview führte Matthias Zwarg für die Wochenendbeilage der "Freien Presse".
Von verkappter Wahlkampfhilfe und der schärfsten Politesse
Freie Presse vom 9.Juni 2004, Lokalseite Zwickau
Ein
Dorf so bedeutungslos, dass es nicht einmal einen Punkt im ADAC-Atlas
bekommt? Ein Bürgermeister, der mit einer Meerwasserentsalzungsanlage
in der so unaussprechlichen wie fernen mongolischen Provinz liebäugelt?
Ein querulanter Stadtrat namens Badstübner? Die Geschichte, die Mario
Ulbrich in seinem Buch "Die Männer vom Revier Tief-Ost" erzählt, klingt
verdammt nach Heimat. Alles nur Zufall? Uta Pasler fragte nach.
Lieber Mario, jahrelang hast Du als
Lokaljournalist in Zwickau die Geschichten, die das Leben schreibt,
veredelt. Kann es sein, dass da bei Deinem Weggang zur Reporter-Crew
nach Chemnitz an der Feder so manche Zwickauer Episode hängen geblieben
ist?
Na klar, jeder Autor lebt von dem, was er selbst
erlebt hat. Bei der Entsalzunganlage hatte ich definitiv die
Wasserwerke Zwickau im Hinterkopf. Und ein Bordellbesitzer, der in
einer lila Villa wohnt? Das kommt irgendwie aus der Reichenbacher
Straße. Es gibt aber auch viele Sachen, die gehen weit über Zwickau
hinaus. Der Dresdner Kofferbombenleger zum Beispiel, das war gar nicht
der Kerl, der jetzt vor Gericht steht. Die Sache war überhaupt ganz
anders. Da hätte der Staatsanwalt weniger ermitteln und mehr Romane
lesen sollen. Aber um Missverständnissen vorzubeugen: Die lokalen
Anspielungen in meinem Buch sind Randepisoden. "Die Männer vom Revier
Tief-Ost" ist keine Regionalsatire, sondern eine
Action-Verschwörungs-Schatzsucher-Komödie.
In Wachtmeister Drombuschs aberwitziger
Abenteuerwelt taucht ein Stadtrat namens Badstübner auf. Einer, der
durch unbequeme Ideen auffällt. Das riecht schwer nach "unserem"
Frieder. Hat der sich eigentlich mal bei Dir gemeldet und sich für
diese unerwartete Wahlkampfhilfe bedankt?
Ich habe von Frieder Badstübner immer viel
gehalten, aber im Buch taucht sein Name hauptsächlich deshalb auf, weil
ich einen aus dem grünen Lager brauchte und weil bei mir alle
Protagonisten komische Namen haben. Ich hätte ja gerne auch Frank
Seidel verewigt, aber der ist schwarz und sein Name ist
nullachtfuffzehn. Sorry, Frank. Ein Dankeschön für Wahlkampfhilfe habe
ich nicht bekommen, aber auch nicht verdient, weil ich in meinen
Zeitungsglossen so oft über Rot-Grün herziehe. Ich denke, das Konto ist
mehr als ausgeglichen.
Die Meerwasserentsalzungsanlage hast Du nicht
auf die Kapverden, sondern in die Mongolei verlagert. Wie wird Dieser
See eigentlich ausgesprochen?
Die Anlage liegt am Chuwsgul-See. Spricht man das
Rrrruffsguhl oder Schuffsguhl? Keine Ahnung. Jedenfalls ist es der
größte Süßwassersee der Mongolei, weshalb eine Entsalzungsanlage dort
auch Sinn macht.
Ach und dann noch Erika Drombusch, die gnadenlose Infotess... äh Politesse. Die ist doch ne waschechte Zwickauerin, oder?
Nicht in Person. Aber es stimmt: Für die Frau von
Wachtmeister Drombusch stand das gesamte Zwickauer Politessen-Korps
Pate. Zwickauer Politessen sind die schärfsten, so rein knöllchenmäßig
gesprochen.
In punkto Polizeiarbeit hast Du mit Sicherheit
nicht die Zwickauer Jungs gemeint. Die waren bei der Durchsuchung eines
hiesigen Bordells nicht so zimperlich. Und ihre Grafikprogramme sind
mittlerweile so leistungsfähig, dass sie manch externe Computer
regelmäßig zum Absturz bringen. Aber der Revier-Name Zwickau-Ost stand
wohl dann doch Pate?
Das gibt ein klares: Indirekt! Polizeireviere
werden ja meist geografisch benannt. Revier West, Ost, Nord, Süd oder
Mitte. Und da mein Revier tief im Osten liegt, heißt es natürlich
Revier Tief-Ost. Um mal einem bösen Gerücht entgegenzutreten: Weder die
Wachtmeister-Drombusch-Geschichten in der Freien Presse, noch der Roman
sind polizistenfeindlich. Es gibt unter Polizisten sogar einige Fans.
Meine Jungs sind zwar nicht die hellsten, aber auf ihre Weise haben sie
alles im Griff. Ich sag' mal so: Hätten sich die Tief-Ostler den Kalif
von Köln zur Brust genommen, wäre der Kerl in die Türkei evakuiert
worden, weil ihm hier mehr als nur Folter droht. Das ist vielleicht
schlimm, aber keinesfalls schlecht, oder?
Dieses Interview führte Uta Pasler für die Lokalausgabe Zwickau der Freien Presse.
|